Die Schlacht bei Tours und Poitiers

 

Im Jahr 700 herrschte Chaos im Westgotischen Reich, die iberische Halbinsel war erschüttert von Hungersnöten und Machtkämpfen des Adels. In diesem Tumult riefen Rivalen des König Roderichs das Kalifat der Omajjaden (Mauren) für einen Putsch zur Hilfe. Solch eine Chance liesen sich diese nicht entgehen und landeten mit Hilfe westgotischer Verbündeter, mit einem 10.000 Mann starken Heer, auf Gibraltar. Zügig schlug das Heer Roderich und eroberte mit erstaunlicher Geschwindigkeit die ganze Iberische Halbinsel. Einige Regionen unterwarfen sich, manche behielten auch unter den neuen Herren eine teilweise Autonomie, doch einige leisteten Widerstand.

 

Vor allem die Regionen um und in den Pyrenäen waren nicht gewillt den Eroberern klein bei zu geben. Da die Mauren vermuteten, dass die Rebellen von jenseits der Pyrenäen unterstütz werden, führten sie dorthin immer wieder Raub- und Kriegszüge.

 

 Voraussetzungen

 

Karl Martell der sich im ebenfalls von Bürgerkrieg zerrissenen Frankenreich als Herrscher durchgesetzt hatte, erkannte diese Gefahr rechtzeitig und stellte ein Heer gegen sie auf. Im Frühen Mittelalter war es üblich, für einen Kriegszug die zum Dienst verpflichteten Bauern kurzfristig zusammen zu rufen und, sobald sie nicht mehr gebraucht wurden, wieder zu entlassen. Karl Martell brach mit dieser Tradition und schuf sich ein stehendes Berufsheer aus schwer bewaffneten Fußkämpfern, die über das ganze Jahr hinweg trainierten. Dieses Heer versah er mit Waffen und Schutzpanzern, Kavallerie hatte er allerdings kaum in seinen Diensten. Diese wäre gegen die Mauern aber auch nicht sonderlich effektiv gewesen, da sie den Steigbügel noch nicht benutze und die Mauren an Kavallerie ohnehin überlegen waren.

 

Zu der damaligen Zeit war man allgemein noch der Meinung, das die Maurischen Reiterheere kaum zu schlagen waren, da man aus Erfahrungen der Auffassung war, dass ein Heer aus Fußkämpfern kein Gegner für ein Reiterheer war. Doch eben diese Annahme sollte Karl am Ende den Sieg bringen.

 

 Der Schlachtverlauf

 

Schlacht bei Tours und PoitiersDie Mauren waren durch ihre Siege und den wenigen Widerstand in Europa bereits derart siegessicher geworden, dass sie die Auskundschaftung von Gelände vernachlässigten und bei jeder Schlacht den Sieg von vornherein erwarteten.
Das gab Karl die Möglichkeit die Zeit und den Ort der Schlacht selbst zu bestimmen. Er sammelte sein Heer und fing die maurische Truppen, die auf dem Weg nach Tours waren, ab.

 

Die Mauren rechneten nicht, auf einen ernst zunehmenden Gegner in dieser Größe und Qualität zu treffen, in ihrer Überheblichkeit sahen sie Karls Truppen gar nicht als ein wirkliches Heer an. So stolperten sie regelrecht in seine Formation hinein.

 

Doch Karl hatte seine Truppen geschickt positioniert, er hatte sie auf einer Anhöhe formiert und einige als Reserve hinter die eigentliche Linie gestellt. Die muslimischen Krieger ließen sich von dieser Stellung allerdings nicht abschrecken und griffen im vollen Vertrauen auf ihre schlagkräftige Kavallerie an.

 

Dieses Vertrauen scheint allerdings auch nicht ganz unangebracht gewesen zu sein, denn obwohl die Franken gepanzert und mit Speeren bewaffnet in einer Verteidigungsstellung verharrten, gelang es den Mauren dennoch sich bis ins Zentrum der fränkischen Truppen vor zu kämpfen. Nur mit Hilfe der Reserve konnten die Franken ihre Feinde wieder zurück drängen und so die Schlacht für sich wenden, hätten die Mauren ihre Position halten können, wäre die fränkische Formation vermutlich gesprengt und vernichtet worden.

 

Eine Zeit lang wogte die Schlacht unentschieden hin und her, doch Karls Truppen hielten dem Druck stand, bis dieser allmählich wieder abnahm.

 

Karl MartellAls Glücksfall für die Franken erwies es sich, dass es einigen Kundschaftern Karls gelungen war, während des Gefechts in das feindliche Lager einzudringen. Daraufhin befreiten sie die dortigen Gefangenen und richteten schwere Verwüstungen an. Viele maurische Truppen kehrten aus diesem Grund der Schlacht den Rücken und eilten Richtung Lager, um ihre bis dahin erkämpfte Beute nicht an den Feind zu verlieren.

 

Abar ar-Rahman, der Anführer des maurischen Heeres versuchte seine Truppen weiter anzutreiben und den Rückzug aufzuhalten. Bei diesem Versuch wurde er jedoch von fränkischen Truppen erschlagen. Die maurischen Truppen kehrten mehr und mehr der Schlacht den Rücken zu und zogen sich in ihr Lager zurück. Die Franken verfolgten den Feind nicht, da sie eine vorgetäuschte Flucht und einen weiteren Angriff erwarteten.

 

Auf Seiten der Mauren konnte man sich nicht einigen, wer die Nachfolge Abar ar-Rahmans übernehmen und das Heer bei einem neuerlichen Angriff führen sollte. Aus diesem Grund zogen sie sich, obwohl sie in der Lage gewesen wären, die Schlacht weiter zuschlagen, hinter die Pyrenäen zurück.

 

 Folgen

 

Die Gefahr für die westliche Welt war somit vorerst gebannt. Die Muslime waren von nun an wieder auf der Hut und vermieden es ihre Gegner erneut zu unterschätzen. Karl Martell hingegen hatte mit seinem Sieg nicht nur der muslimischen Eroberung ein Ende bereitet, sondern auch den Grundstein der karolingischen Herrschaft im Frankenreich gelegt.

 

Schlachten-Grafik von Parragon Verlag
Inhaltliche Hauptquelle: Schlachten von Christa Jörgensen

 

 5. Juni 2009


Kommentare

avatar Googol
+1
 
 
Die Muslime waren nicht daran interessiert das Gebiet (Frankreich) zu islamisieren sondern eher den Feind zu schwächen sogar zu vernichten.

Was ich gerne wissen möchte warum die Mauren nicht erneut angegriffen haben?

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