Burgen und ihre Wandlung durch die Kreuzzüge

 

Mit der Rückkehr von Kreuzfahrern aus dem Heiligen Land, änderte sich auch in der Heimat viel. So manches was sie in der Ferne erlebt und gelernt hatten, wurde von den Rückkehrern nun auch in Europa angewandt. Viele bauten ihre Burg nach orientalischem Vorbild, wo gewaltige Bollwerke eine große Rolle im Krieg spielten, aus. Doch nicht nur die Größe und Befestigung der Burgen nahm deutlich zu, die Besitzer legten auch auf höheren Komfort und Bequemlichkeit vermehrt Wert.

 

BurgAnfangs bestanden die europäischen Burgen aus nicht mehr als einem Turm, der einer Famile und ihren Habsehligkeiten Platz und Schutz bot. Mit dem Eingang im zweiten Stock und einer festen Bauweise schützte er seinen Inhalt vor Räubern und Plünderern und war mit herkömlichen Waffen kaum zu bezwingen.

 

Später wurde um diesen Turm eine (mehr oder weniger) runde Mauer gezogen. Die Burg bot damit mehr Platz, war aber auch anfälliger gegen Angriffe. Diverse Schwächen der Burgen wurden vor allem den Kreuzrittern im Orient bewusst, die ihr neu gewonnenes Herrschaftsgebiet mit Festungen zu schützen versuchten, so verbesserten sie die Burgen immer weiter. Eben diese Verbesserungen brachten die Kreuzfahrer auch nach Hause mit und mit den im Heiligen Land erworbenen Reichtümern bauten sie ihre Burgen aus.

 

Die anfangs runden Burgmauern verschwanden und wurden durch eckige ersetzt. Denn durch die Rundmauer konnte zwar ein großer Innenhof bei minimalen Materialaufwand geschützt werden, doch war der verteidigungstechnische Nachteil enorm. Man konnte nämlich nur den Feind direkt vor sich beschießen, ein Feuern auf andere Feinde entlang der Mauer war durch die "Krümmung" unmöglich. Erst die gerade Mauern machten es möglich, den Feind von drei Seiten unter Beschuss zu nehmen.

 

RitterburgDer schwächste Punkt einer Ritterburg war natürlich immer das Tor, es bildete sozusagen eine "weiche" Stelle in der Mauer. Dieser Schwachstelle waren sich Architekten und Burgherren schon sehr früh bewusst, so wurde das Tor immer weiter verstärkt. Neben dem Tor wurde ein Turm zur Deckung errichtet, die Tore selbst wurden dicker, mit Balken geschützt, später mit Fallgitter und Zugbrücken zur Perfektion gebracht. Als sich manche Burgherren auch mit diesen Vorkehrungen noch nicht sicher genug fühlten, errichteten sie eine weitere Mauer, die das Tor vom restlichen Innenhof trennte. Diese Mauer benötigte natürlich wiederum ein Tor, das auch wieder geschützt werden musste, zahlreiche ausgeklügelte Systeme von Schießscharten machten das Durchbrechen zu einer wahren Herausforderung.

 

RitterburgDie Verlängerung des Anmarschweges war ebenso eine beliebte Variante, dem Angreifer den Ansturm so schwer wie möglich zu machen. Durch einen, sich im Uhrzeigersinn um die Burg windenden Pfad, wurde nicht nur der Weg des Angreifers länger, er musste auch seine Rechte, vom Schild nicht geschützte Seite präsentieren. Selbst wenn das erste Tor erreicht und durchbrochen war, musste noch ein weiter Weg zurück gelegt werden, denn das Tor durch die zweite Mauer lag meist auf der anderen Seite der Burg.

 

Der Bergfried, der sich aus dem anfänglichen Turm entwickelt hatte, spielte ebenfalls eine Schlüsselrolle in der Verteidigung. Von ihm aus konnte man die gesamte Anlage überblicken, Feinde auf der eigenen Mauer oder im Innenhof unter Beschuss nehmen und mit seinen halsbrecherischen Wendeltreppen bildete er selbst eine Festung in der Festung.

 

Durch die immer weiter fortschreitende Verbesserung der Burgen kam es zu immer weniger Erstürmungen. Schon eine kleine Schar konnte gut ausgeklügelte Burgen gegen eine Überzahl verteidigen und oft genügte schon der alleinige Anblick und der Gedanke an den zu zahlenden Blutzoll, um den Angreifer von seinem Vorhaben abzubringen. So beschränkte man sich längere Zeit auf das Belagern und Aushungern von Burgen, was sich erst mit der Erfindung des Schwarzpulvers, und dem Aufstieg der Kanone als Belagerungswaffe wieder änderte.

 

20. Mai 2009

Hauptquelle: Ritter, Burgen, Waffen - Friedrich L.Boschke


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