Die Hanse

Die Hanse war einer der einflussreichsten Handelsbünde des Mittelalters. Aus einem kleinen Zusammenschluss von Kaufmännern entstand in dieser "dunklen" Zeit eine Handelsmacht von gewaltigem politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Erst mit der Erschließung der neuen Welt und durch massive Konkurrenz ging diese bedeutende Vereinigung zu Grunde.

 

  Geschichte

 

Begonnen hatte der Aufstieg dieser Handelsmacht wie sooft im Kleinen, mit der Privilegierung von bestimmten lokalen oder regionalen Kaufmannsgruppierungen. So erlangten bereits die Kölner Kaufleute im 11. Jahrhundert in London eine besondere Stellung. In dieser Gruppierung bezogen sie bald auch andere, vor allem westfälische und niederrheinische, Kaufleute ein.

 

Ein wichtiger Grundstein der Hanse war die Vereinigung der Gotlandfahrer 1160, in der Genossenschaft der Kaufleute des (Heilgen Römischen) Reiches. Die Gemeinschaft hatte ihr Zentrum in Visby und errichtete bald mit dem Peterhof in Nowgorod ein eigenes Kontor (Handelsniederlassung).

 

Mit Städtegründungen im Rahmen der deutschen Ostsiedlung verlagerte sich das Gewicht der Hanse in den Ostseeraum.

 

Portrait von Georg Gisze - Kaufmann und Mitglied der HanseDie Führung der Hanse übernahmen Städte, in denen Handelskontoren errichtet waren und in denen Hanse durch ihre Macht auch häufig im Stadtrat vertreten war. Trotz einer zunehmenden Zahl an Hansestädten gab es nie ein Bündnis aller Mitglieder. Denn im Vordergrund standen wirtschaftliche Interessen, politische Ziele waren kaum relevant. Ihre Konkurrenz bekämpfte die Hanse vorwiegend durch wirtschaftliche Boykotte, Seeblockaden aber auch mit Waffengewalt. Vor allem mit verschiedenen dänischen Königen kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. So musste Dänemark 1370 im Friede von Stralsund der Hanse Vorrechte garantieren.

 

Diese Zeit stellte den Höhepunkt der Macht für die Hanse da, nach dem Frieden befanden sie sich wirtschaftlich in einer einflussreichen Lage und konnten sogar die dänische Königswahl mitbestimmen.

 

Die Hanse musste allerdings immer wieder ihre Vormachtstellung behaupten und wurde mit Kämpfen gegen skandinavische Herrscher auf die Probe gestellt. Es gelang ihr noch die Begünstigung englischer und niederländischer Kaufleute durch den Unionskönig Erich VII in Dänemark zu verhindern, der damit sein Land aus der Abhängigkeit führen wollte. Mit einer Wirtschaftsblockade verhinderte sie die Umsetzung dieser Pläne, doch den Sundzoll 1426 konnte sie nicht mehr abwehren. 

 

In Folge mussten die Mitglieder Privilegien opfern und den Niederländern wirtschaftliche Gleichberechtigung im Ostseeraum zugestehen. Ein schwerer Schlag für die Hanse war die Schließung des Kontors in Nowgorod und der langsame Niedergang in Brügge und London. Durch einen verkleinerten Handelsraum und zunehmender Konkurrenz aus Übersee verlor die Hanse zusehends an Bedeutung.

 

Lübeck, Danzig und Hamburg konnten sich trotz niederländischer und englischer Konkurrenz noch einige Zeit behaupten, doch durch einen starken Rückgang der Mitglieder bestand die Hanse bald nur mehr aus einem kleinen Kreis. Nach dem dreißigjährigen Krieg führten nur noch Lübeck, Hamburg und Bremen, die 1630 einen engeren Bund schlossen, die Hansetradition fort. 1669 wurde schließlich der letzte Hansetag abgehalten.

 

 Organisation

 

Die Organisation der Hanse war sehr locker. Es gab keine gemeinsamen Finanzen, keine gemeinsame Flotte, keine offiziellen Mitgliederlisten und keine Verfassung. Den Kern der Hanse bildeten 70 vorwiegend deutsche Städte und 130 weitere Städte, die aber nicht alle zugleich Mitglied der Hanse waren.

 

Die Hansteage waren die Hauptversammlung der Mitglieder. Diese kamen unregelmäßig und in geringer Zahl, alle Beschlüsse waren für nicht-Anwesende auch nicht bindend und häufig lehnten einzelne Städte diese ab.

 

Die von der Versammlung getroffenen Beschlüsse wurden in schriftlicher Form als Hanseerzesse fixiert. Die Kontore in Nowgorod, Bergen, London und Brügge waren gesamthanssische Errichtungen, deren wirtschaftliche Bedeutung dementsprechend groß war. Weitere Faktoreien (kleinere Handelsniederlassungen) gab es unter anderem in Oslo, Kopenhagen, Boston, Pleskau, Polozk, Kaunas und Antwerpen.

 

 Handel

 

Karte der Handelsverbindungen im MittelalterDie Hanse beschränkte sich überwiegen auf Seehandel und verdankte ihren Erfolg auch dem Schiffstyp der "Kogge", der sich als hochseetüchtig erwies und mit einem großen Laderaum ausgestattet war.

 

Wichtige Handelsgüter waren Pelze und Wachs aus Russland und Osteuropa, Getreide aus dem Osten des Heiligen Römischen Reichs und Polen, Fisch aus Skandinavien, Salz aus Lüneburg und Frankreich und Wein aus dem Rheinland und Frankreich.

 

Die Hanse garantierte einen intensiven wirtschaftlichen Austausch und deckte jahrhundertelang die Getreideversorgung Norwegens und Westeuropas, sowie die Nachfrage nach Tuchen, Salz und Fertigwaren im Heilligen Römischen Reich, Ost- und Nordeuropa.

 

Als Hauptquelle diente mir für diesen Artikel der Brockhaus Geschichte (S. 335 ff.)

 

9. Juni 2009


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