Herodot von Halikarnassos

 

Herodot wird heute, wie schon zu Zeiten Ciceros, häufig als "Vater der Geschichtsschreibung" bezeichnet. Doch ob er in seinem Werk "Die Historien" wirklich Geschichte, oder doch einfach nur Geschichten erzählt ist sehr umstritten. Manche sehen in ihm einen großen Historiker, andere einen Stubenhocker, der einen "Bestseller" schrieb.

 

 Biografie

 

moderne Skulptur des HerodotHerodots genaues Geburtsdatum ist nicht gesichert, wird aber zwischen 490 und 480 v.Chr vermutet. In seiner Geburtsstadt Halikarnassos (heute Bodrum) wurde er, der aus einer adeligen Familie stammte, auch politisch aktiv. Die Stadt wurde damals von einem Tyrannen Namens Lygdamis regiert, an dessen Sturz sich Herodot beteiligte. Als der erste Versuch scheiterte, musste er einige Zeit nach Samos ins Exil. 10 - 15 Jahre später kehrte er wieder zurück und beteiligte sich am zweiten, nun erfolgreichen Sturz.

 

Später musste er Halikarnassos wegen Parteikämpfen erneut verlassen. Nach eigenen Angaben begab er sich auf eine große Reise, Quer durch Europa, Asien und Afrika. Dabei soll er nach Ägypten, ans Schwarze Meer, nach Thrakien, nach Makedonien und in die Länder der Skythen gelangt sein. Ob er diese Reise aber wirklich in diesem Ausmaß absolviert hatte, oder ob sie nur seiner Phantasie entspringt ist unter Historikern sehr umstritten.

Als gesichert gilt allerdings, dass er später nach Athen gelangte und dort zu den Größen der damaligen Zeit Kontakt hatte. Perikles und Sophokles soll er zu seinen Freunden gezählt haben und von ihnen auch beeinflusst worden sein. 444 v.Chr war er angeblich an der Gründung der attischen Kolonie Thurioi (Thurii) in Unteritalien beteiligt. 

Wann und wo Herodot gestorben ist, ist ebenso umstritten wie seine Geburt. Um 425 v.Chr dürfte er verstorben sein, Thurioi, Athen oder Pella kommen als Ort seines Todes in Frage, heute wird allgemein Thurioi angenommen.

 

 Herodot als Autor

 

Als Autor der Historien ist Herodot heute eine äußerst umstrittene Persönlichkeit der Antike. Die Historien sind neun Bücher die er, wie er im Proömium beschreibt, verfasst... 

 "...damit große und wunderbare Taten der Griechen und der Barbaren nicht ohne Gedenken bleiben. Vor allem aber soll man erfahren, warum sie gegeneinander zum Kriege schritten."

Die Bücher handeln also im Wesentlichen von der Geschichte der Perser, den Unterschieden zwischen Griechen und Persern und den daraus resultierenden Perserkriegen.

Herodot von HalikarnassusOb die von Herodot geschilderten Gegebenheiten der Wahrheit entsprechen ist äußerst zweifelhaft. Seine Beschreibungen verschiedener Völker lassen manchmal großen Zweifel aufkommen, ob er diese Länder je gesehen hat, oder Opfer falscher Informationen war.

 

Vor allem seine Zahlenangaben aus den Perserkriegen verdienen kaum Glauben. Zum Beispiel gibt er die Zahl des Xerxes Heeres auf mehre Millionen an, obwohl es nach modernen Rechnungen vermutlich nur 50.000 - 200.000 Mann, wenn nicht noch weniger, waren. Ob er hier bewusst übertrieb, absichtlich falsch informiert worden war, oder einfach niemand in der Lage war solch große Zahlen abzuschätzen ist unbekannt.

 

Verglichen mit dem einige Jahre später lebenden Thukydides, der mit seinen Berichten über den Peloponnesischen Krieg eher als Vater der Historie gelten kann, ist Herodot wohl nicht mehr als ein Märchenerzähler. Aber egal ob nun Bestsellerautor oder Historiker, Herodots Werk ist ohne Frage eines der bedeutendsten der Griechischen Antike. Er ist, wenn auch unzuverlässig, dennoch eine wichtige Quelle aus dieser Zeit, vor allem da er zu vielen Ereignissen die Einzige bildet.

7. Juni 2009


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Ob er hier bewusst übertrieb, absichtlich falsch informiert worden war, oder einfach niemand in der Lage war solch große Zahlen abzuschätzen ist unbekannt.
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