John Locke - Empirismus Histroy Blog - by Andreas Müller

John Locke

 

Biografie


John Locke kam 1632 in der englischen Grafschaft Somerset auf die Welt. Sein Vater war Gerichtsbeamter und konnte es sich daher leisten seinen Sohn mit 14 Jahren auf die Westminster School in London zu schicken. Dort erhielt dieser die Grundlagen seiner universalen Bildung. Trotz unruhiger Zeiten, der Hinrichtung Karl I. 1649 und der Machtergreifung durch Cromwell, schloss er sein Studium erfolgreich ab und wurde Magister und anschließend Dozent. Schwerpunkt seines vielseitigen und intensiven Studiums waren die Schriften Aristoteles, er beschäftigte sich jedoch nicht nur mit weiteren zeitgenössischen Philosophen wie Descartes und Spinoza, sonder interessierte sich auch für die Naturwissenschaften und Medizin. Damit erhielt er eine sehr universelle Ausbildung, wie sie zu seiner Zeit für einen man von Bildung üblich war, damals gab es noch zahlreiche „Universalgelehrte“ die sich mit vielen Bereichen der Wissenschaft und Philosophie befassten.
Durch diese Universalbildung wurde Locke schließlich sogar zum Mitglied der berühmten „Royal Society“ gewählt.

Während seiner Zeit in Oxford lerne er auch Anthony Ashley Cooper kennen, der spätere Earl of Shaftesbury, der ein einflussreicher Politiker war. Diesem folgte er nach einem Jahr, im Alter von 34 Jahren, als Arzt und politischer Berater nach London. Durch politische Wirren und die Thronbesteigung  des katholischen Stuart Karl II. verließen die beiden Protestanten England und gingen nach Holland ins Exil. Nach fünf philosophisch sehr fruchtbaren Jahren kehrten sie nach der „Glorius Revolution“ 1688 wieder nach England zurück.
Locke blieb Zeit seines Lebens unverheiratet und verbrachte noch 14 Jahre auf dem Lande in Oates (Essex) im Hause der Familie von Lady Masham, mit der er freundschaftlich verbunden war. Nach diesen Jahren ruhiger  wissenschaftlicher Arbeit schlief er im Alter von 72 Jahren friedlich ein.


Empirismus


John Locke gilt als einer der Hauptvertreter des Empirismus, auf Aristoteles zurückgehend – der ja auch seinen Sinnen vertraute – ging er davon aus, dass die sinnliche Erfahrung die Grundlage des Denkens sei. Somit ist nichts in den Gedanken, was nicht zuvor auch in den Sinnen war. Locke vergleicht das Bewusstsein eines Neugeborenen mit einer leeren Tafel (tabula rasa)  oder einem weißen Blatt Papier, das durch unsere Sinneseindrücke erst „beschrieben“ wird. Die angeborene Fähigkeit des Verstandes ist es lediglich, diese zu reflektieren und damit auf ihre Qualität zu prüfen.
Nach Locke haben somit alle inneren Erfahrungen ihren Ursprung in der äußeren Erfahrung und sind nur Reflektionen dieser. Er stellt sich in diesem Fall gegen seinen Zeitgenossen Descartes („Ich denke also bin ich“) der von angeborenen Ideen, die nicht auf Erfahrung beruhen, ausgeht.
Erfahrungen sind somit Locke zufolge die einzigen Quellen und auch die Grenzen des menschlichen Verstandes. Platons unveränderliche und ewige „Ideen“ hält er für nicht mehr als Hilfsmittel des Menschen, seine Umwelt zu ordnen und zu verstehen. Seine Theorien zur menschlichen Erkenntnis veröffentlichte Locke in seinem Werk „Essay concerning human understanding“ („Essay über den menschlichen Verstand“), nach seiner Rückkehr aus dem holländischen Exil.


Religion & Toleranz


Locke war ein frommer Christ, für ihn war die Existenz Gottes eine Gewissheit, die in der menschlichen Vernunft an sich liegt. Zwar sah er die Offenbarung als eine Quelle der Erkenntnis, dennoch war er der Meinung, dass man auch diese mit Vernunft beurteilen müsse. In seiner Abhandlung über „Die Vernunftgemäßheit des Christentums“ schrieb er, dass das Christentum unter allen Religionen noch am besten mit der Vernunft übereinstimmt, da diese dem Naturgesetz und dem Gesetz der Vernunft entspricht (Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch…“ (Goldene Regel)
Durch diese Überlegungen und seine Erfahrungen in der Politik, war für Locke die Forderung nach der Religionsfreiheit ein wesentlicher Punkt der Philosophie. Davon ausnehmen wolle er allerdings Atheisten, die die Grundlagen der Moral nicht akzeptieren, Fanatiker, mit denen eine vernünftige Diskussion unmöglich war und Religionen, die die Unterwerfung unter eine ausländische Macht verlangten.
Locke trug durch seine drei „Briefe über Toleranz“ wesentlich zur aufklärerischen Bewegung bei und soll damit auch die Gründerväter Amerikas dazu veranlasst haben, Kirche und Staat zu trennen und die Religionsfreiheit in die Verfassung aufzunehmen.



Glück & Erziehung


Neben seinen erkenntnistheoretischen Schriften und seinen Abhandlungen über Religion und Toleranz beschäftigte sich Locke auch mit dem Begriff „Glück“ und der Erziehung zum „mündigen Bürger“.
Das Streben nach eigenem Glück und eigener Lust ist nach Locke der stärkste Antrieb des Menschen zu Handlungen. Glück in vollem Umfang ist die größte Freude und Dinge die wir als „gut“ oder „böse“ ansehen sind in Wahrheit nur unsere Beziehungen zu Freude oder Schmerz. „Gut nennen wir das, was in uns Freude zu wecken oder den Schmerz zu verringern geeignet ist.“ Nach wahrem Glück zu streben und unsere Leidenschaften zu beherrschen ist für Locke die Voraussetzung für Freiheit.
In seiner Abhandlung über Erziehung („Some thoughts concerning education“) macht sich Locke für die charakterbildende Erziehung stark. Seine Schriften wurden zwar zu keiner systematischen Erziehungslehre, jedoch führten sie zu einer neuen Sicht auf die Pädagogik, die den vernünftigen/mündigen Bürger und nicht den spezialisierten Gelehrten zum Ziel hat.


Politik


Locke befasste sich nicht nur mit der Erkenntnistheorie, Glück und Erziehung, er war auch als politischer Theoretiker aktiv. So forderte er Gewaltenteilung, sprach als erster von „Menschenrecht“, forderte Demokratie und Liberalismus.
Wie auch bei seiner Erkenntnistheorie baut seine Staatstheorie ebenfalls auf Aristoteles auf. Lock geht von einem Naturzustand aus, der die Gleichheit und Freiheit aller Menschen darstellt. Der Mensch strebt nach Besitz und Eigentum, mit der Geburt erhält der Mensch seinen Körper und seine Person als sein Eigentum. Ebenso hat der Mensch ein Recht darauf durch Arbeit sein Eigentum zu vergrößern und damit wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen, Locke bezeichnet als Erster das Recht auf Eigentum ausdrücklich als „Menschenrecht“.
Da der einzelne Mensch aber nicht immer in der Lage ist sein Eigentum zu schützen, schließt er sich zu Gemeinschaften zusammen, es entsteht ein „Vertrag“ zwischen dem Bürger und dem Staat. Der Einzelne gibt einen Teil seiner Rechte an die Gemeinschaft ab, der Staat hat dafür die Pflicht das Leben, Eigentum und die persönliche Freiheit zu garantieren. „Das große und hauptsächliche Ziel. Zu dem sich Menschen im Staatswesens zusammenschließen, ist die Erhaltung ihre Eigentums“, so Locke.
Um den Menschen jedoch vor dem Macht Missbrauch durch den Staat zu schützen, fordert Locke eine strenge Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive (Gesetzgebung und ausführende Gewalt). Die Regierung besitzt außerdem keine göttliche Autorität und ist Vertragspartner des Volkes, verletzt sie ihre Pflichten und gefährdet sie die Freiheit der Bürger, so ist Widerstand gerechtfertigt und die Regierung darf gestürzt werden.
Seine Staatstheorie veröffentlichte Locke in seinem Werk „Two treatises on Government“ (wie Abhandlungen über die Regierung) und verfehlte seine Wirkung in der Politik nicht.


Wirkung


Lockes Gedanken zur Politik blieben nicht ohne Wirkung, so fanden sie 100 Jahre später, fast wörtlich Verwendung in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Von dort aus fanden sie Eingang in die Erklärung der Menschenrechte der Französischen Revolution von 1789. Lockes Staatsentwurf zur Gewaltenteilung in Form einer parlamentarischen Regierung bildet noch heute die Grundlage der modernen Verfassungsstaaten.
Mit seinem religiös-toleranten und individualistischen Denken war er ein Verfechter des Eigentums, des Handels und des Mittelstandes. Seine tolerante und freie Philosophie war ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und lebt heute noch in der Verfassung der modernen Staaten und der Charta der Menschenrechte fort.

 

Der gesamte Text ist auch als pdf verfügbar

 

2. Februar 2010


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