Kriegselefanten - Hannibals Geheimwaffe

 

Neben dem taktischen Genie Hannibals gab es noch einen weiteren Grund für die Furcht der Römer, - die karthagischen Kriegselefanten. Nachdem er mit den mächtigen Tieren von Spanien aus erst über die Pyrenäen nach Gallien, dann über die Alpen nach Italien gezogen war, brach Panik bei den Römern aus.

Hannibals Elefanten überqueren die AlpenViele Kelten ließen sich von den mächtigen, ihnen unbekannten Tieren beeindrucken und stellten sich auf Hannibals Seite. Doch trotz ihrer imposanten Erscheinung, vernichtenden Kraft und dicken Haut waren sie in kaum einer Schlacht des Punischen Kriegs entscheidend. Waren diese Tiere also nun wirklich „Panzer der Antike“? Oder war die Angst vor ihnen übertrieben?

 

Die Elefanten erreichen Karthago

 

Der erste Einsatz von Kriegselefanten ist uns aus der Heimat dieser Tiere überliefert, aus Indien. Von Indien aus verbreiteten sie sich als „Exportware“ im Vorderasiatischen Raum. Bald entdeckten die, von den Phöniziern abstammenden Karthager den Wert dieser Tiere.

Doch da die indischen Elefanten eine teure Importware darstellten und die afrikanischen Elefanten beinahe nicht zähmbar waren, griffen sie auf eine heimische, heute ausgestorbene Art zurück, den Nordafrikanischen Waldelefanten. Heute leben Waldelefanten nur noch in den verbleibenden Wäldern in West und Zentralafrika. Waldelefanten unterscheiden sich von afrikanischen Elefanten durch ihre Größe und die Form der Stoßzähne. Mit einem Gewicht von 5,5 Tonnen ist der Waldelefant zwar 1 Tonne leichter und kleiner als der Afrikanische, doch war es für die Karthager weit einfacher diese Tiere zu zähmen.

Die Elefanten erhielten die Karthager daher vorwiegend aus Nordafrika, doch vermutlich auch als Importware aus West- und Zentralafrika gemeinsam mit Elfenbein, Sklaven und Bodenschätzen. Da Elefanten kaum gezüchtet wurden und vorwiegend wild gefangen, gezähmt werden mussten, erwies sich die Ausbildung zum Kriegselefant und deren Nachschub auf einem Feldzug, als sehr schwierig. Vor allem da ein verletztes Tier sehr schnell dem Wundbrand erlag.

 

Ausbildung und Ausrüstung

 

Nachdem Elefanten einige Zeit als Last- und Tragtiere für verschiedene Zwecke verwendet wurden, ging man dazu über, sie auch vermehrt im Krieg einzusetzen. Hierfür mussten die relativ sanftmütigen Tiere lange ausgebildet werden um sich zu aggressiven Kampfmaschinen zu entwickeln.

Weibchen waren dafür nicht zu verwenden, da sie sich auch unter Einfluss von Alkohol, Drogen und Schmerzen kaum zu einem Angriff bewegen ließen und eher die Flucht ergriffen als die Feinde in Angst zu versetzen.

War ein Elefant ausgebildet trug er seinen Reiter in die Schlacht und versetzte dabei mit seinem Anblick und Geruch, Mensch und Tier in Angst.  Als Schutz diente dem Elefanten neben seiner dicken Haut noch manchmal eine Rüstung aus organischem Material, (z.B. Leder), metallerne Panzerung dürfte sich ein Elefant wohl kaum gefallen lassen haben.

Die karthagischen Elefanten wurden durch ihre geringe Größe hauptsächlich im Ansturm als tödlicher Nahkämpfer verwendet. Von Indischen Elefanten ist überliefert, dass sie neben ihrem Reiter auch noch einen Aufbau aus Holz getragen haben sollen, der Schützen und Kämpfern mit Lanzen Platz geboten haben sollen*.  Auch die Verwendung von Belagerungswaffen auf dem Rücken indischer Elefanten soll stattgefunden haben. Wenn auch Kanonen und Onager mit ihrem starkem Rückstoß einem Elefanten wenig Freude bereitet haben dürften, ist zumindest die Verwendung von Bogenartillerie (Speerschleudern) in Reliefs aus Kambodscha überliefert.

 

*Die folgenden Bilder, die karthagische Elefanten mit Aufbauten zeigen, sind somit historisch nicht völlig korrekt, oder zeigen andere (z.B. persische) Elefanten

 

Verwendung

 

Persischer Kriegselefant im EinsatzIn der Kriegskunst hatten Elefanten zweierlei  Effekt. einerseits kann man sie taktisch, andererseits strategisch nutzen.

Strategisch dienen sie als Symbol der Macht, für die meisten Europäer (so auch für die Römer) waren die Elefanten unbekannte „Monster“ aus dem Süden. Mit dieser Machtdemonstration reichte allein der Anblick solcher fremdartiger Wesen manchmal schon aus, um fremde Völker die Seite wechseln zu lassen. So gelang es Hannibal unter anderem auch durch die Elefanten bei den Kelten Norditaliens Verbündete zu gewinnen.

 

Der taktische Nutzen lag vor allem in der Furcht, die Elefanten bei Truppen auslösten, speziell bei solchen, die an ihren Anblick nicht gewohnt waren.

Eingesetzt wurden sie häufig gegen Kavallerie, da Pferde allein schon durch den Geruch der Elefanten in Panik geraten und häufig ohne Kampf das Weite suchten.

Die andere Möglichkeit war, sie wie einen Rammbock zum aufbrechen der feindlichen Phalanx zu verwenden. Im Gegensatz zu Pferden, die durch einen Wall aus Lanzen aufgehalten werden konnten, stürmte ein Elefanten unter Einfluss von Alkohol, Drogen und durch Schmerzen in Wut versetzt, mitten in die feindlichen Reihen. Hierbei diente ihm seine dicke Haut als Rüstung, verschiedene Quellen überliefern, dass Elefanten selbst von 55 bis sogar 82 Pfeilen gespickt noch weiter getobt haben sollen.

Als Waffe diente ihnen vorwiegen ihre pure Kraft und Maße, hinzu kamen Stoßzähne, der Rüssel und unter Umständen auch noch der Reiter. Durch ihre Kraft und die Panik die sich bei einem Angriff verbreitete, brachen sie eine ungeübte Phalanx schnell auf.   

 

Schwächen

 

Obwohl die Dickhäuter oft als Panzer der Antike gepriesen werden, haben sie einige gravierende Schwächen, die sowohl strategischer als auch taktischer Natur sind.

Einerseits ist die Beschaffung und Ausbildung eines Elefanten sehr langwierig. Hat man sich erst einmal auf einen Feldzug begeben, hat man zumeist kaum mehr eine Möglichkeit seine Verluste an Elefanten auszugleichen. So erging es auch Hannibal, seine Elefanten verendeten Stück für Stück in den Alpen, an Kälte, Hunger und im Kampf. Zuletzt blieb ihm in Italien nur noch ein einzige Elefant, der aber außer für seine Propaganda, nicht mehr von Bedeutung war.

Elefanten überqueren auf Flößen die RhoneHinzu kommt, dass ein Elefant enorme Mengen an Futter benötigt, 80kg Heu soll ein Elefant pro Tag benötigen, ungefähr soviel wie ein Ochse tragen konnte. Auch war es nicht möglich, wie zum Beispiel bei Pferden, Elefanten mit Kraftfutter zu ernähren, somit war nicht nur die Menge sehr groß, sondern auch die Zeit die ein Elefant benötigte um zu fressen, konnte sich in die Länge ziehen.

Zu weiteren Nachteilen der Elefanten gehörte ihre eingeschränkte Mobilität. Konnte man mit einem Maultier oder Pferd auf beinahe jeden beliebig schmalen Grad wandeln und auch ohne größere Probleme mit Floßen über Flüsse übersetzen, so war dies mit Elefanten ein regelrechtes Kunststück.

Manchmal weigerten sich die Dickhäuter weiter zu marschieren, da sie dem engen Pfad nicht vertrauten und auf einem wankenden Floß musste man erfinderisch sein, um die Tiere bei Laune zu halten.

So bedeckten die Karthager bei der Überquerung der Rhone angeblich die Flösse mit Erde, versorgten die Elefanten mit Heut und versuchten sie somit ruhig zu halten.

 

Neben dem großen logistischen Aufwand den ein Elefant verursachte, kamen auch noch eine Reihe an Schwächen in der Schlacht hinzu. Zum größten Nachteil der Tiere gehört ihre Unberechenbarkeit, Elefanten sind von Natur aus eher Sanftmütig, somit konnte es vorkommen, dass ein Elefant eher das Weite suchte, anstatt in eine feindliche Formation einzubrechen.

Wenn nun ein Elefant in Panik geriet und „Amok“ lief, konnte es schnell passieren, dass er anstatt die feindlichen, die eigenen Truppen niedertrampelte. Solang der Reiter am Leben war, konnte diesem Risiko mit Hammer und Meißel vorgebeugt werden. Denn die Reiter waren damit in der Lage den Elefanten mit einem gezielten Schlag sofort außer Gefecht zu setzen. War der Reiter allerdings tot, und der Elefant wütete in den eigenen Reihen, führte dies schnell zu Unordnung und Flucht der Truppen.

 

Mittel zur Abwehr

 

Der Einsatz von Elefanten zielte auch sehr darauf ab, dass sie für ihren Gegner eine unbekannte Waffe waren, sobald der Feind die Schwächen der Elefanten erkannte, konnte er relativ einfache Gegenmaßnahmen ergreifen und die „Panzer der Antike“ wurden beinahe nutzlos.

Im Allgemeinen gab es zwei Möglichkeiten einem Elefanten entgegenzutreten, entweder man versuchte ihn durch den Einsatz verschiedener Mittel in Panik zu versetzten oder man nutzte möglichst effektive Waffen um sich seiner schnell zu entledigen.

 

 

Psychologische Mittel

 

In einem Krieg gegen Elefanten entwickelten die Gegner dieser scheinbar so mächtigen Waffe, schnell eine Vielzahl von Möglichkeiten, die größte Schwäche der Elefanten auszunutzen, ihre Unberechenbarkeit:

 

 Lärm

 

Eines der einfachsten Mittel einen Elefanten Angriff abzuwehren war Lärm. So sollen auch die Römer bei Zama Hannibals Elefanten unter anderem mit Trompeten und Hörnern zurück getrieben haben. Dieses einfache Mittel benötigt keine besonderen Truppen und kann einfach angewandt werden, allerdings funktioniert es auch nur bei schlecht ausgebildeten Elefanten. War ein Kriegselefant erst einmal ausreichend ausgebildet und an den Lärm auf dem Schlachtfeld gewöhnt, lies er sich durch Hörner kaum mehr abschrecken.

 

 Feuer

 

Elefanten haben, wie die meisten Tiere, eine natürliche Angst vor Feuer. Durch Brandmunition von Geschützen und Fernkämpfern oder gezielt gelegten Feuern vor den Truppen, ließen sich häufig Elefantenattacken abwehren. Im Idealfall machte der Elefant kehrt und stürmte damit auf die eigenen Schlachtreihen zu, somit sah sich sein Reiter oft gezwungen seinen eigenen Elefanten zu töten. Tat er dies nicht, oder konnte er dies nicht, da er schon tot war, stellte das fliehende Tier eine enorme Bedrohung für die eigenen Truppen da.

 

 Brennende Schweine

 

Eine besonders grausame Variante ist der Einsatz von, mit Pech bestrichenen, Schweinen. Denn die meisten Elefanten können die „Angstschreie“ von Schweinen nicht ertragen und machten daher kehrt. Um die Schweine in Panik zu versetzten zündete man sie an und trieb sie den Elefanten entgegen.

 

So soll der makedonische König Antigonos II. Gonatas beim Angriff auf die Stadt Megara 270v.Chr genau daran gescheitert sein. Die Einwohner bestrichen die Schweine mit Pech und jagten sie brennend den Elefanten entgegen. Das panische Quicken der Schweine übertrug sich auf die Elefanten und Antigonos blieb nur noch der Rückzug.

 

 

Physische Mittel

 

Die meisten Völker, die vermehrt auf Elefanten trafen, entwickelten bald spezielle Einheiten zu ihrer Abwehr. Männer mit der richtigen Ausrüstung und Ausbildung stellten für Elefanten eine große Gefahr da und konnten somit die großen Tiere einfach zurückschlagen oder ihren Einsatz vorweg verhindern.

 

 Leichte Truppen

 

Leichte Truppen im Kampf gegen Elefanten bei der Schlacht von ZamaEine vergleichsweise einfache Methode gegen Elefanten war der Einsatz von Leichten Fußtruppen. Sie sollten die anstürmenden Tiere bereits vor der Phalanx zum Umkehren zwingen. Mit Schleudern, Wurfspeeren, Bögen und ähnlichen Waffen konnte man einen Elefanten zwar nur schwer töten, doch oft reichte es bereits aus, ihm genügend Schmerz zuzufügen, um ihn zur Umkehr zu zwingen. Auch bestand dabei die Möglichkeit den Reiter des Tiers möglichst früh auszuschalten, somit wurde der Elefant unkontrollierbar, suchte schneller das Weite und konnte, wenn er sich gegen seine eigenen Truppen wandte, nur noch schwer aufgehalten werden.

Als Unterstützung für leichte Truppen sollen bei den Indern spezielle Pfeile im Einsatz gewesene sein. Diese wurden "Naraca" genannt und bestanden komplett aus Metall wodurch sie nicht abbrechen konnten. Mit einem Brandkopf versehen, schlugen diese metallernen, nicht abrechbaren, brennenden Pfeile die meisten Elefanten in die Flucht.

 

 Schwere Spezialeinheiten

 

Andere Feldherren verließen sich hingegen auf schweres Fußvolk, das mit speziellem Training und spezieller Ausrüstung den Elefanten entgegentrat.

So lies zum Beispiel Perseus König von Makedonien 179-168, eine Eliteeinheit speziell gegen Elefanten ausrüsten. Die Schilder der Soldaten wurden mit Stacheln versehen, ebenso die Helme, dies bot den Truppen Schutz vor dem empfindlichen Rüssel des Elefanten und machte gleichzeitig einen Zusammenprall mit den Männern für den Elefant sehr unangenehm. Auch konnten diese Schilde verwendet werden, um sie unter die Füße des Elefanten zu werfen, bzw. wenn ein Mann fiel, lag das Schild am Boden und stellte eine „Falle“ für den Elefanten da.

Auch Caesar soll im Kampf gegen Pompeius, eine seiner Legionen mit Äxte ausgerüstet haben und sie angewiesen haben, auf die Beine der Elefanten zu Zielen oder ihnen den Rüssel abzuschlagen.  Ein Elefant mit verwundeten Beinen brach schnell zusammen und wurde kampfunfähig, verlor er seinen Rüssel, geriet er verständlicher Weise in Panik.

 

 Fallen

 

Eine weitere Methode anstürmende Elefanten aufzuhalten, war der Einsatz von Fußfallen. Nagelbretter, metallerne Spieße, mit Stacheln versehen Ketten oder auch einfach Holzpfähle konnten die (relativ) empfindlichen Füße eines Elefanten verletzen.

So lies auch Ptolemaios I. während der Diadochenkriege, vor der Schlacht von Gaza 312 v.Chr Hindernisse aus metallernen Dornen und Stacheln, die mit Ketten verbunden waren, anfertigen. Als Demetrius Elefanten heranstürmten und auf die stacheligen Hindernisse traten kehrten sie um und prallten auf die eigene Kavallerie. Die aufgescheuchten Pferde und verängstigten Reiter ergriffen daraufhin ebenfalls die Flucht.

 

 Spezielle Taktik

 

Wie Scipio bei Zama unter Beweis stellte, war auch durch das Wählen einer richtigen Taktik (mit erfahrenen Truppen) ein Sieg über Elefanten ein leichtes.

Bei Zama bildeten die römischen Soldaten „Gassen“ sobald die Elefanten herbei stürmten, somit rannten die Elefanten ins Nichts und trampelten kaum Soldaten nieder. War der Elefant erst einmal durch Erschöpfung zum Stillstand gekommen befand er sich Mitten in der Formation und konnte von allen Seiten mit Wurfspeeren beworfen werden oder anders ausgeschalten werden.

Manchmal wird die Frage gestellt, warum der Reiter nicht einfach den Elefanten links oder rechts neben der Gasse, in die feindlichen Truppen lenkt. Dabei muss man bedenken, dass ein Elefant ein Tier, kein Fahrzeug ist, er lässt sich also nicht so einfach lenken. Auch wenn ein Elefant mit Drogen und Schmerzen gefügig gemacht wurde, bleibt dennoch sein Unwille zu kämpfen. Bietet ihm sich dann die Möglichkeit (durch Gassen) statt in einen Haufen mit Spießen oder Schwertern einzudringen, einfach daran vorbei zu laufen, wird er dies sehr wahrscheinlich tun.

 

 Untergang

 

All diese Schwächen, die psychologischen wie auch die physischen, sorgten letztendlich dafür, dass die Elefanten nur selten auf Schlachtfeldern bedeutend waren. Ihr Einsatz blieb ein Risiko und selbst ein erfahrener General wie Hannibal konnte nicht vorhersehen ob sie ihm, oder dem Feind den Untergang bringen würden. Elefanten blieben also, aufgrund der Kosten-Nutzen Rechnung eine Seltenheit. Mit dem Aufkommen der Schwarzpulverwaffen blieb ihr Einsatz, zum Glück für die Tiere, endgültig aus. Nachdem bereits eine Musketen Kugel, die für Wundbrand sehr anfälligen Elefanten ausschalten konnte, entschied sich kaum mehr ein Feldherr für ihren Einsatz.

Der Einsatz von Kriegselefanten ebbte somit schon in der Antike wieder ab, Pompeius setzte im römischen Bürgerkrieg gegen Caesar noch einige dieser Tiere ein. Doch als sie ihm in der Schlacht von Thapsus eine gewaltige Niederlage bereiteten, endete der Einsatz von Elefanten im europäischen Raum.

Im fernen Indien mögen sie noch einige Zeit im Einsatz gewesen sein, doch spätestens mit dem Eintreffen der Briten endete auch dort die Zeit der Kriegselefanten.

 

 Quellen

 

 

 

14. Juli 2009


Kommentare

avatar Evelyn
+4
 
 
Wie erzogen sie einen Kriegselefanten?
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