Die Schlacht von Cannae
Der 2. Punische Krieg
Nachdem die Karthager (von den Römern "Punier" genannt) im 1. Punischen Krieg große Gebietsverluste hinnehmen mussten, expandierte die einflussreiche Handelsmacht schon wenige Jahre später auf der iberischen Halbinsel, um sich wieder reiche Kolonien zu sichern. Es dauerte nicht lange bis sie dabei erneut mit den Römern in Konflikt geriet. Da die Römer Verbündete, der mit den Karthagern verfeindeten Stadt Saguntum, waren, kam es, dass nach einem Angriff der Karthager und einer ignorierten Drohung der Römer eine Gesandtschaft in Karthago eintraf, die den 2. Punischen Krieg einläutete.
Die Karthager ließen sich von der römischen Supermacht nicht einschüchtern, im Eiltempo gingen sie in die Offensive und führten ein Heer über die Alpen nach Italien, der Führer dieses Heeres sollte die römische Bevölkerung noch für viele Jahre in Schrecken versetzten - Hannibal.
Erste Siege in Italien
Schnell suchte er den Kampf mit dem überrumpelten Gegner und die Römer, die ihm zwar in großer Zahl entgegentraten, vermochten ihn dennoch nicht aufzuhalten.
Anfangs beschränkten sich seine Siege auf einige Scharmützel der Reiter und er zwang die Römer am Ticinius zurückzuweichen. Bald darauf folgte der nächste Sieg;
Er lockte ein römisches Heer über die Trebia und schlug es vernichtend. Seine Fußtruppen hielten den Feind hin, während die überlegene Reiterei und eine versteckte Truppe die Flanken und den Rücken angriffen. 40.000 Mann sollen hierbei in Gefangenschaft geraten oder auf dem Schlachtfeld geblieben sein.
Hannibal kontrollierte somit Norditalien und fügte der siegesverwöhnten römischen Bevölkerung ein regelrechtes Kriegstrauma zu.
Als Hannibal sich 217 v.Chr gegen Mittel- und Süditalien wandte errang er einen weiteren großen Sieg. Am Trasimenischen See griffen die Punier aus dem Hinterhalt heraus an und ließen die Römer mit 15.000 Mann Verlust erneut bluten.
Hinhaltestrategie der Römer
Nach dieser Niederlage hoben die Römer die Verfassung auf und übertrugen die Befehlsgewalt von den beiden Konsuln auf einen Diktator. Sein Name war Quintus Fabius Maximus, er sollte den militärischen Oberbefehl für 6 Monate übernehmen und Hannibal die Stirn bieten.
Er wählte eine, vom römischen Volk nicht gern gesehene, aber dennoch äußerst effektive Strategie. Er hielt Hannibal hin, ließ ihn genau beobachten und lieferte sich höchstens kleinere Scharmützel.
Erschwerend kam für Hannibal hinzu, dass die Versorgung seines Heeres sich als äußerst schwierig erwieß, die Römer kontrollierten die Küsten und der Weg über die Alpen war gefährlich. Auch hatte sich seine Hoffnung, Roms Verbündete nach seinen Siegen für sich zu gewinnen, nicht erfüllt. Denn große Teile der römischen Armee stammten aus den verbündeten italienischen Städten, die aber trotz der Niederlagen treu zu Rom standen.
Diese Hinhaltetaktik des Diktators erwies sich als nützlich, denn die Zeit arbeitete zu Gunsten der Römer.
Nachdem die Amtszeit des Diktators abgelaufen war, verfolgten auch die nach ihm folgenden Konsuln Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro seine Strategie. Sie stellten sich Hannibal kaum und auf die gewaltigen Bevölkerungsreserven zurückgreifend stellen sie das bis dahin größte Heer der römischen Geschichte auf:
80.000 Soldaten, davon 6 römische Legionen (40.000 Mann) und weitere 40.000 Fußsoldaten von italienischen Verbündeten. Hierbei wird wieder deutlich wie entscheidend die Treue der Verbündeten war, das Heer, das später bei Cannae auf Hannibal treffen sollte, bestand zu 50% aus Verbündeten.
Doch auch nur die Hälfte der gesamten Truppen konnte Kampferfahrung aufweisen, der andere Teil war frisch rekrutiert und hatte nur eine geringe Ausbildung erhalten.
Hannibal verbrachte den Winter in Gerunium, dort sicherte er die Versorgung des Heeres mit Getreide und zog anschließend 100km in Richtung Cannae.
Zu dieser Zeit umfasste das Heer der Karthager 40.000 Fußsoldaten und 10.000 Reiter. 16.000 Mann waren Veteranen der Alpenüberquerung, noch einmal die selbe Zahl norditalienische Kelten.
Durch ihre große Überzahl motiviert beschlossen die Römer sich dem karthagischen Heer zum Kampf zu stellen, sie folgten ihm nach Cannae und trafen dort am 2. August 216 v.Chr auf den verhassten Feind.
Schlachtordnung
Die Römer stellten ihre Armee in klassischer Manipularphalanx auf, allerdings verkleinerten sie hierbei den Abstand zwischen den Manipeln und erhöhten die Gliedertiefe. Dies war notwendig, da die Römer mit einer Heereszahl von 80.000 Mann eine zuvor nie erreichte Anzahl ins Feld führten und ihre Taktik im wesentlichen auf das Durchstoßen der feindlichen Reihen abzielte. Die Kavallerie hielten sie hierbei wie üblich an den Flanken der Formation. Hannibal hingegen wählte eine gänzlich ungewöhnliche, neuartige, Taktik. Er stellte seine Truppen in einem Halbkreis auf, mit vorgezogenem Zentrum und hängenden Flanken. Im Zentrum hielt er hierbei die weniger zuverlässigen Truppen, so die ketlischen Verbündeten und auf den Flanken seine afrikanischen Elitetruppen. Die zahlenmäßig sehr starke Kavallerie hielt er ebenfalls auf den Flanken, an der Rechten formierte er die leichten numidischen Reiter, auf der Linken die schwereren keltischen und iberischen Reiter.
Die Schlacht
Die spezielle Aufstellung machte es Hannibal möglich sein Zentrum, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Römer, zu halten. Denn die Formation war flexibel, die schwächeren gallischen Truppen wichen zurück und ermöglichten den afrikanischen Truppen an der Flanke die Römer zu umfassen. Hannibals Taktik zielte allerdings nicht auf einen schnellen Sieg seines Fußvolkes, sondern nur auf dessen möglichst langes Ausharren ab.
Da die Römer die karthagische Formation nicht schnell genug durchbrechen konnten, verspielten sie den Vorteil ihrer tiefen Aufstellung und konnten ihre zahlenmäßige Überlegenheit nicht nutzen.
Denn obwohl die Numider auf der rechten Flanke keinen Sieg erringen konnten, gelang es den iberischen und gallischen Reiter auf der linken, die traditionell schwache römische Kavallerie zu schlagen.
Diese floh in Windeseile, doch Hannibals erfahrene Reiter ließen sich nicht zu einer Verfolgung hinreißen sondern eilten stattdessen den bedrängten Numidern auf der rechten Flanke zu Hilfe. Nachdem auch dort die römische Kavallerie mit vereinten Kräften geschlagen war, zeichnete sich die Niederlage für die Römer deutlich ab.
Die Phalanx befand sich durch die Hinhaltetaktik Hannibals nach wie vor im Kampf und sah sich bereits von den Afrikanern bedrängt, somit konnte sich die Kavallerie der Karthager in deren Rücken neu formieren.
Als dann die Römer im Rücken angegriffen wurden, war ihr Schicksal besiegelt. Von allen Seiten umringt, konnten sie ihre Überzahl nicht nutzen, so wurden die unerfahrenen Truppen in großer Zahl von den Karthagern niedergestreckt.
48.000 Gefallene und rund 20.000 Kriegsgefangene sollen die Römer nach dieser Schlacht gezählt haben. Als Kriegstrauma für die zukünftige Großmacht sollte sie lange in den Köpfen der Menschen bleiben und als erstes Beispiel für eine Umfassungsschlacht Einzug in die Kriegsgeschichte halten.
Folgen
|








Kommentare