Der Investiturstreit

Papst Gregor VII und Kaiser Heinrich IVAls Investiturstreit bezeichnet man die Periode von 1073 bis 1122, ein Konflikt zwischen dem Papst und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Als Investitur versteht man die Einsetzung von kirchlichen Ämtern, die normalerweise dem Papst und den Bischöfen, also den höchsten Vertretern der christlichen Kirche vorbehalten waren.

 

Die Anfänge des Investiturstreits reichen jedoch noch weiter zurück, denn mit dem „ottonischen Reichskirchensystem“, im Jahre 962 erlassen vom gleichnamigen Kaiser Otto I.,  beanspruchte der Kaiser diese Investitur als weltlicher Herrscher jedoch für sich. Dieses Einmischen in das vormals kirchliche Recht und die Ernennung von Äbten und Bischöfen durch Nicht-Geistliche, der „Laieninvestitur“, wurde vom Papst aufs schärftste kritisiert und missbilligt. Es kam so zur weiten Verbreitung der „Simonie“, dem Ämterkauf, wodurch Befürworter und Unterstützer der kaiserlichen Politik hohe geistliche Würden erlangen konnten. Durch Privilegien wurden sie so an den König gebunden.

 

Der Zwist mit dem geistlichen Oberhaupt war praktisch vorprogrammiert, die Fronten verhärtet.

 

Als 1073 der erzkonservative, fromme Mönch, später als Gregor VII. bekannt, zum Papst gewählt wurde, forderte er vom König des Heiligen Römischen Reiches, Heinrich IV., die Investiturvergabe wieder allein der Kirche zu überlassen.

 

Heinrich wollte dieses Recht aber nicht aufgeben und verwies seinerseits auf die Schutzfunktion des Deutschen Reiches über dem Kirchenstaat.

 

Die Intoleranz und der Stolz der beiden Herrscher führten zur völligen Ablehnung ihres Gegenübers.

 

1076 war es dann soweit, der Investiturstreit eskalierte. König Heinrich IV. erklärte den Papst für abgesetzt. Gregor blieb infolge dessen keine andere Möglichkeit mehr und so verhängte er den Kirchenbann über den Anführer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

 

Ein König war aus der Gemeinschaft der Kirche verstoßen worden, zu einer Zeit als die Religion noch weit mehr Einfluss auf das Leben der Bevölkerung hatte als heute.

 

Dieser radikale Schritt Gregors machte es für Heinrich unmöglich, vor seinem Volk weiterhin  König zu sein. Es gab nur eine Möglichkeit, größeres Unheil noch abzuwenden: Heinrich musste vom Papst wieder in die Kirche aufgenommen werden.

 

Er machte sich im Büßergewand  auf den Weg nach Italien, zur Burg Canossa, wo sich der Papst aufhielt. Im Frühjahr 1077 kam er schließlich beim Papst an, der seine Reue zu würdigen wusste und den Bann aufhob.

 

Der Investiturstreit war dadurch aber nicht beigelegt. Bis zur Übereinkunft im Wormser Konkordat von 1122 gab es noch zahlreiche Konflikte und auch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Papst und König.

In eben diesem Vertrag gestand König Heinrich V. (Sohn Heinrichs IV.) der Kirche die Investiturvergabe zu, der Kompromiss sah jedoch vor, dass die Ämtervergabe nur im Beisein des Königs oder dessen Vertretern vonstatten gehen durfte.

4. Juni 2009
Raphael Stocker

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