Das große Schisma

Im Mittelalter gab es nicht nur, wie bereits im Investiturstreit, ein Machtspiel zwischen weltlichen und geistlichen Herrschern, sogar innerhalb der Kirche gab es Konflikte und Missstände, die es zu lösen galt.

 

Der wachsende Einfluss des französischen Königs Philipp IV. Ende des 13. Jahrhunderts trieb das Papsttum immer mehr in die Hände der „Grand Nation“.

 

1305 wurde Papst Clemens V. als oberster Hirte auf den Papststuhl gesetzt. Er selbst war Franzose und ein guter Freund Philipps IV., der bereits bei seiner Krönung in Lyon (!!!) zugegen war.

 

4 Jahre später verlegte er den Sitz der päpstlichen Residenz von Rom ins südfranzösische  Avignon. Dort herrschten von 1309 bis 1377 insgesamt 7 anerkannte Päpste, bis schlussendlich Papst Gregor XI. auf Druck der italienischen Bevölkerung wieder in die Ewige Stadt zurückzog.

 

Nach dem Tod Gregors wurde Urban VI. Papst. Nur die zwingende Tatsache machte dessen Inthronisierung möglich, dass der neue Papst unbedingt ein Italiener sein musste. Er ist bis heute der letzte Papst, der zur Zeit seiner Ernennung kein Kardinal war.

 

Urban versuchte grundlegende Reformen innerhalb der Kirche durchzuführen, um die Entsittlichung der geistlichen Würdenträger nicht weiter voranzutreiben.

 

Aufgrund dieser Reformversuche wählen die „Franzosen“ einen sogenannten Gegenpapst und residierten wieder in Avignon. Dieser Entschluss führte zur zeitweiligen Trennung der Kirche in zwei verfeindete Parteien („großes abendländisches Schisma“).

 

Die Spaltung zog sich durch die europäischen Länder, aber auch Städte, Gemeinden und Bistümer wurden davon betroffen.

 

Bis 1414 gab es in Europa eine römische und eine avignonesische Kirche.

 

Das Konzil von Pisa sollte 1409 die Streitigkeiten bereinigen, da das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche stark unter den Umständen, dass es zwei Päpste gab, litt.  

 

Das Konzil (Bischofsversammlung) stand sogar über dem Papst und wollte das Schisma wieder rückgängig machen.

Die beiden Päpste wurden für abgesetzt erklärt und ein neuer Pontifex maximus gewählt.

 

Da diese den Beschluss des Konzils aber nicht hinnehmen wollten, walteten 3 Päpste zur gleichen Zeit „ihres“ Amtes.

 

Die endgültige Beilegung des Streits und die Wiedervereinigung der einheitlichen Kirchenlinie gelang erst im Konzil von Konstanz (1414-1418), als die 3 Kirchenoberhäupter abgesetzt wurden und ein von allen Ländern anerkannter Papst (Martin V.) den Thron bestieg.

 

12. Juni 2009
Raphael Stocker


Kommentare

Please login to post comments or replies.