Der 30-jährige Krieg

 

Adelige die eine Burg erstürmen und Beamte aus den Fenstern werfen? Katholiken die gegen Katholiken ins Feld ziehen? Na, klingelt’s?

Protestanten werfen Beamte des Kaisers aus dem Fenster

Ja, das war der 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648!

 

Die Wurzel allen Übels liegt in einem Friedensvertrag, dem Augsburger Religionsfrieden von 1555. Demnach steht es jedem Bürger frei, welcher Religion er angehört und ausübt. Über die genaue Auslegung dieses Vertrages gab es immer wieder heftigen Streit zwischen den Herrscherhäusern, der eine tolerierte die „Ungläubigen“, der andere schloss deren Kirchen oder riss sie gar ab.

 

Als dann eine Beschwerde protestantischer Adeliger beim Habsburger Kaiser  Ferdinand II abblitzte, stürmten diese die Prager Burg und warfen drei Beamte aus dem Fenster. Eine Handlung führte zur anderen, und so geschah es, dass 1619 die verärgerten Protestanten den Anführer ihres 1608 gegründeten Militärbündnisses, der „Union“, Friedrich von der Pfalz, zum neuen König erklärten und den böhmischen Kaiser absetzten.

 

Die Katholiken gründen daraufhin die „Liga“, das Gegenstück zur „Union“. Dank der finanziellen Unterstützung des Papstes gelang es der Liga bis 1620, die Protestanten weit zurückzudrängen und den sogenannten „Winterkönig“ Friedrich in der Schlacht am Weißen Berg vernichtend zu schlagen.

 

Der eigentliche Konflikt schien damit aus dem Weg geräumt, die Katholiken in ihrer Hegemonie bestätigt, doch der Religionskrieg breitete sich schnell auf den Rest Europas aus.

 

So griffen nach und nach die protestantischen Staaten Dänemark, England, Holland und schließlich auch Schweden ein und erklären den Katholiken den Krieg. Längst geht es unter dem Vorwand, die unterdrückten Genossen aus den Klauen der bösen katholischen Mächte zu befreien, nur noch um die Expansion und Machtergreifung der einzelnen Staaten.

 

Mit dem Feldherren Albrecht von Wallenstein stand allerdings ein brillanter Taktiker seitens der Liga bereit, der die protestantischen Heere in die Knie zwang und erst in der Schlacht bei Lützen besiegt wurde. Dabei bediente er sich zehntausenden Söldnern, die für Sold gegen den Feind zu Felde zogen, egal welchen Glauben diese hatten.

 

Als der Krieg bereits zu Ende schien, kam der komplette Bruch zum bisherigen Religionskrieg: Frankreich trat 1635 auf der Seite der Schweden in den Krieg ein. Somit kam es auch zur Absurdität, dass das katholische Frankreich gegen die ebenfalls katholischen Habsburger in die Schlacht zieht, um die Reichsgrenzen zu ihren Gunsten „anzugleichen“ und ihren enorm schnell expandierenden Nachbarn einzubremsen.

 

Nach zahlreichen kleineren Schlachten, Plünderungen und Verwüstungen, die Hand in Hand mit Hungersnöten und Seuchen gingen, kam es, nach zahlreichen, gescheiterten Friedensverhandlungen 1648 endlich zum „Westfälischen Frieden“.

 

In diesem wurden Frankreich Gebiete bis zum Rhein zugesprochen, Schweden erhielt Ländereien in Norddeutschland. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zerfiel in 2.000 kleinere und größere Herrschaftsgebiete, das Vereinigte Niederlande und die Schweiz schieden völlig aus dem Reich aus. Der Kaiser wurde entmachtet und blieb nur noch dem Namen nach Herrscher über das zerfallene Reich.

 

Die Religionsfreiheit wurde gemäß dem Augsburger Religionsfrieden bestätigt und die Konfessionen für gleichberechtigt befunden.

 

Die Folgen des 30-jährigen Krieges waren jedoch weitaus verheerender, rund ein Drittel der  Bevölkerung des ehemaligen Deutschen Reiches war ihm zum Opfer gefallen, gesamte Landstriche völlig zerstört und Dörfer niedergebrannt. 

 

Bis sich das Land wieder erholt hatte, vergingen Jahrzehnte, Jahrzehnte in denen Hunger und bittere Armut unter der Bevölkerung herrschten.

12. Mai 2009
Raphael Stocker

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