Die Gründung des römischen Kaiserreichs

 

 Das Triumvirat

 

Nach der Ermordung des Diktators Gaius Julius Caesar an den Iden des März 44 v.Chr. kam es in der stark durch Krisen und Machtkämpfen geschüttelten römischen Republik zu einem einschneidenden Machtwechsel.

 

Cäsars Großneffe Gaius Octavianus, kurz Octavian, den er als alleinigen Erben eingesetzt hatte, stürzte sich sofort nach der Veröffentlichung des Testamentes in den Machtkampf um und in Rom.

 

Der neue Mitstreiter um die Vormachtstellung in der altehrwürdigen Republik wurde natürlich von keinem seiner Konkurrenten herzlich empfangen, sondern musste sich als erstes gleich mit den alten Adelsgeschlechtern und den republikanischen Senatoren auseinandersetzen. Octavian schaffte durch geschicktes politisches Taktieren, dass er die ehemaligen Gegner Cäsars, zu denen unter anderem die Senatoren um den einflussreichen Politiker Cicero gehörten, auf seine Seite zog.

 

Cicero ging sogar so weit, dass er seinen Günstling in der Öffentlichkeit als „Retter des Vaterlandes“ lobte und ihn in den Senat hievte. Zusätzlich erhielt Octavian noch das Kommando für ein militärisches Vorgehen gegen seinen nun ärgsten Gegner, den Konsul Marcus Antonius.

 

Diese vorprogrammierte militärische Auseinandersetzung ließ auch nicht lange auf sich warten. Im Frühjahr 43 konnte Octavian Antonius im sogenannten  Mutinensischen Krieg entscheidend besiegen und die beiden amtierenden Konsuln aus dem Weg räumen.

 

Nach diesem Sieg erwartete sich Octavian seine Wahl zum Konsul, jedoch sein neuer „Ziehvater“ Cicero verweigerte seinen Wunsch, woraufhin er sich durch einen Militärputsch zum Konsul hinaufschwang und in einer totalen politischen Kehrtwende mit seinem ehemaligen Feind Antonius gegen die Republikaner unter Cicero verband.

 

Zu seinen ersten Amtshandlungen zählten die Ermordungen aller Anhänger der republikanischen Partei, unter denen sich auch der Senator Cicero befand und die Vernichtung der Armeen der Caesarmörder Cassius und Brutus. Bei den innenpolitischen Entscheidungen orientierte sich Octavian sehr stark an seinem Großonkel und größten Idol Caesar. Die stärkste und wichtigste Parallele zwischen den Beiden ist die Gründung eines Triumvirats. Caesar verband sich mit Marcus Crassus und Gnaeus Pompeius Magnus in den Jahren 60 bis 53 v.Chr. zum 1. Triumvirat. Im Oktober 43 imitierte Octavian mit der Gründung des 2. Triumvirats zwischen Marcus Antonius, Marcus Aemilius Lepidus und seiner eigenen Person die Handlungen Cäsars.

 

Während der Triumvirats-Zeit verteilten sich die ganzen römischen Ländereien auf die drei Bündnispartner. Bevor es zu einer Einigung kam, musste man sich zuerst im Perusinischen Krieg über die Länderverteilung einigen, da sowohl Antonius als auch Octavian weite Gebiete für sich beanspruchten.

 

Nach diesem Friedensvertrag, der ebenso die Landverteilung regelte, hielt zum ersten Mal ein längerer Frieden zwischen den beiden „Verbündeten“. Der einzige Bereich im Reich, der von allen dreien verwaltet wurde und damit neutral bleiben musste, war die italienische Halbinsel.

 

Im Jahr 37 v.Chr. verlängerten die Drei das Triumvirat um weitere fünf Jahre.

 

Lepidus wurde ein Jahr später von Octavian aus dem Bündnis geworfen, da er mit seiner Armee während Octavians Feldzuges gegen die Seeräuberstaaten in Sizilien, wo die Kämpfe stattfanden, auftauchte und er ihm deshalb des Landesverrates beschuldigte und entmachten konnte.

 

Octavian bemächtigte sich der zuvor dem Lepidus gehörenden römischen Gebiete in Afrika. Diese neugewonnenen Ländereien führten zu einem ungleichen Machtverhältnis zwischen den beiden verbleibenden Bündnispartnern. Die ungerechte Landverteilung erregte natürlich den Zorn von Antonius und führte wenig später zu einem alles entscheidenden Krieg zwischen den „Noch-Verbündeten“.

 

 Roms erster Kaiser

 

Der Bruch zwischen Octavian und Antonius erfolgte allerdings nicht sofort nachdem Antonius erkannte, dass er nun der Schwächere im Bündnis sei, sondern erst vier Jahre später. Der Grund war ganz offensichtlich, da sich Antonius zu diesem Zeitpunkt auf einem Feldzug gegen die Parther befand und nicht zusätzlich noch einen Bürgerkrieg gegen Octavian brauchen konnte.

 

Kaiser AugustusDennoch bereitete sich Octavian in diesen Jahren auf einen Krieg gegen seinen Freund Antonius vor, da er wusste, dass es früher oder später zu einem entscheidenden Kampf zwischen den beiden mächtigsten Männern im Römischen Reich kommen werde.

 

Außerdem wurde Gaius Octavianus (=Octavian) bei seinen Vorkehrungen von der römischen Oberschicht unterstützt, da Antonius eine Liebesbeziehung mit der letzten ägyptischen Königin und Ptolemäerin Kleopatra einging. Zwei Jahre später heirateten die beiden und Antonius übertrug die Königtümer an die gemeinsamen Kinder, was natürlich  Octavian und den Senat noch mehr provozierte.

 

Die Spannungen wurden im Jahr 33 durch das Ende des Triumvirats verstärkt, da auch weder Octavian noch Antonius an einer neuerlichen Verlängerung interessiert waren. Stattdessen ließ Octavian alle Provinzen, die ihm unterstanden, einen Gefolgschaftseid auf seine eigene Person ablegen. Außerdem musste auch das neutrale Italien eine Loyalitätsbestätigung auf ihn schwören.

 

Nun eskalierte der schon seit Jahren auf diplomatischer Ebene geführte Krieg und es kam ab dem Jahr 32 zu einer militärischen Auseinandersetzung. Octavian war aber so klug und tarnte diese letzte Phase des römischen Bürgerkriegs als Feldzug der nationalrömischen Interessen gegen Kleopatra und Ägypten. Antonius musste in seiner schwierigen Situation an der Seite Kleopatras bleiben und mit Ägypten gegen Octavian und seine Heimat zu Felde ziehen.

 

Am 2. September 31 kam es zu der schon seit Jahren erwarteten endgültigen Entscheidungsschlacht. Diese Schlacht fand an der Westküste Griechenlands statt und ging als die „große Seeschlacht bei Actium“ in die Geschichte ein. Der Sieg ging an Octavian und dessen General Marcus Vipsanius Agrippa (den Erbauer des Pantheons in Rom) und bedeutete für Kleopatra und Antonius den Verlust der gesamten Flotte und besiegelte die definitive Niederlage gegen Rom. Die beiden nahmen sich anschließend in Ägypten das Leben bevor das Land ein Jahr später als Provinz in das Römische Reich eingegliedert wurde.

 

Für Octavian bedeutete dieser Sieg die alleinige Machtausübung im Reich und eine hohe Popularität in Volk und Adel. Trotzdem reichte ihm seine Machtposition noch nicht und die Regierungsform kann nicht mit einer Monarchie, sondern eher mit einer „diktatorischen Republik“ verglichen werden. Deshalb legte Octavian im Jahr 28 verschiedenste Militärgewalten nieder aber erhielt im Gegenzug vom Senat viel größere und bedeutendere Amtsvollmachten. Zum einen wurde er zum „princeps senatus“ (=der Erste des Senats) ernannt. Von diesem Titel leitet sich auch seine Regierungsform, der Prinzipat, ab. Zum anderen erhielt er den militärischen Oberbefehl über alle römischen Provinzen und er konnte somit die Legionen als Basis seiner neuen Macht verwenden.

 

Als offizielles Gründungsdatum des römischen Kaiserreiches wird dennoch der 16. Januar 27 angesehen. An diesem Tag erhielt Octavian vom Senat den Ehrentitel „Augustus“ (=der Erhabene) und damit kam es endgültig zu einer Überhöhung des Herrschers. Ab diesem Zeitpunkt nannte sich Octavian nur mehr Augustus und leitete als erster römischer Kaiser und Begründer des Prinzipats eine Jahrhunderte dauernde Reihe von römischen Kaisern ein.

 

Augustus selbst erhielt bis zu seinem Tod am 19. August 14 n. Chr. noch etliche weitere Titel und Ämter und zählt somit zu den bedeutendsten Persönlichkeiten in der römischen Geschichte.

 

19. Juni 2009
Wolfgang Ulbing

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