Die Französische Revolution

 

 

Der Beginn des Leidens, der Unmut in der französischen Bevölkerung wächst

 

Ludwig XIV

In der französischen Bevölkerung entwickelt sich, angefacht von politischer Unmündigkeit und sozialen Missständen, eine Ablehnung gegen die gegebenen absolutistischen Machtverhältnisse. Ihre Lebenssituation bietet keine Alternativen, keine Aussicht auf eine Verbesserung.

 

Das Königreich Frankreich, geführt von Absolutisten, deren Macht von der Unterstützung des privilegierten Hofadels, sowie der hohen Geistlichkeit abhängig ist, versinkt immer mehr im Chaos.

 

Rund 98% der 25 Millionen Einwohner, die zur Jahrhundertwende in Frankreich leben, gehören dem 3. Stand an. Dazu gehören natürlich Bauern und Tagelöhner aber auch Ärzte, Beamte und das restliche Großbürgertum.

 

Der Adel und die hohe Geistlichkeit sind mit einem Bevölkerungsanteil von nur 2% deutlich in der Minderheit.

 

Trotzdem hat der 3. Stand nahezu keine Privilegien und muss die immensen Steuerlasten alleine tragen. Die Bauern hatten sogar dreifache Abgaben zu leisten, einerseits an den Staat, aber auch an die Kirche und dem Feudalherren – und litten sehr unter den sozialen Missständen. 

 

 Frankreich gilt Ende des 18. Jahrhunderts zwar als stärkste Militärmacht Europas, jedoch verschlingt der Krieg gegen die Engländer auf amerikanischen Boden und das sogenannte „stehende Heer“, ein ständig präsentes Aufgebot von mehreren zehntausend Soldaten, Unmengen von Geld.

 

Die Finanzlage Frankreichs ist aussichtslos, die Staatskasse völlig leer.

 

Beim gebildeten Großbürgertum werden Stimmen lauter, die nach einer Besserstellung der Verhältnisse innerhalb der Stände und nach Steuergerechtigkeit sinnen.

 

Der prekären Situation bewusst, ruft der damalige Herrscher Ludwig XVI. 1789, nach mehr als 150 Jahren, zum ersten Mal wieder die Generalstände (Vertreter der 3 Stände) zusammen, um sich des Problems gemeinsam anzunehmen.

 

Neben den benachteiligten Menschen des 3. Standes, liebäugelten auch viele Aristokraten mit den Forderungen nach einer totalen Reformierung des Staatswesens. Im Gegensatz dazu versuchte die Regierung mit allen Mitteln das „Ancien régime“ (Absolutismus vor 1789) aufrecht zu erhalten.

 

Nach unzähligen Wochen erbitterter Diskussionen waren die Fronten zwischen Reformern und deren Gegner so verhärtet, dass sie nicht einmal das Problem lösen konnten, nach welchem System abgestimmt werden sollte – nach Köpfen oder nach Ständen.

 

 

Die Revolution und die Jahre danach

 

Pariser Bürger stürmen die BastilleNachdem in der Sitzung aller drei Generalstände keine Einigung über das Abstimmungssystem gefunden werden kann, geht es Schlag auf Schlag: Der benachteiligte 3. Stand erklärt sich am 17. Juni zur Nationalversammlung, der einzigen Vertretung der französischen Bevölkerung, und mit dem „Ballhausschwur“ beschließen die Abgeordneten, nicht eher das Feld zu räumen, bis Frankreich eine neue Verfassung erlange.

 

Am 14. Juli 1789 stürmen die Bürger schließlich die Bastille, welche als Zeichen absolutistischer Willkür und Ungerechtigkeit angesehen wurde.

 

Die Aufbruchstimmung der Revolutionäre verbreitet sich über Paris auf das ganze Königreich. Die Bauern lehnen sich gegen ihre Feudalherren auf, der Hass, welcher sich über all die Jahrzehnte aufgestaut hat, entlädt sich in Form von Plünderungen, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag.

 

Die Eindrücke veranlassen die Nationalversammlung in der Nacht des 4. Julis, die Privilegien des Adels und der Geistlichkeit aufzuheben und die sozialen Unterschiede aufzuheben. Alle Bürger Frankreichs waren vor dem Gesetz ab diesem Zeitpunkt gleichberechtigt.

 

Der Staat hatte zwar eine andere Form angenommen, jedoch war er nahe einem Bankrott. Um diesen doch noch zu verhindern, beschloss die Nationalversammlung, den Kirchenbesitz, darunter auch viele Landbesitze, zu beschlagnahmen und mittels Assignaten (Anteilsscheine) unter die Bevölkerung zu bringen. So sollte sich das Staatsbudget wieder erholen. Jedoch scheiterte der Versuch kläglich, da der Staat ständig mehr Assignaten in Umlauf brachte und Fälscher daraus Vorteile zogen, indem sie die Anteilsscheine vervielfachten.

 

Die Inflation war nicht mehr aufzuhalten: Die Scheine hatten 6 Jahre nach Einführung nur noch einen Wert von ca. 10% ihres Ursprungswertes, Arbeiter, die mittels Assignaten bezahlt wurden, verarmten.

 

Außerdem wurde die Kirche von nun an vom Staat organisiert, die Priester waren Staatsbeamte. Die Einmischung in den getrennten Bereich von Staat und Kirche führte zur Trennung zwischen Frankreich und dem Papst (und dem Kirchenstaat).

 

 

Die ins Ausland geflüchteten Aristokraten versuchten die Fürsten in den umliegenden Ländern zu überzeugen, in Frankreich einzumarschieren.

 

Beide Parteien sahen darin einen Vorteil: Die Adeligen hofften auf die Wiederherstellung des Absolutismus, die Fürsten wollten einer bevorstehenden Revolution in ihren Gebieten vorbeugen.

 

Frankreich war nach der Revolution jedoch nicht geeint, und so hoffte das gebildete Großbürgertum, mit einem Krieg die internen Probleme nach Außen hin zu verschleiern und eine Art nationale Euphorie anzufachen. 

 

Frankreich erklärte Österreich, und somit auch in weiterer Folge deren Bündnispartnern Preußen, Russland, Piemont und Spanien, den Krieg.

 

Das völlig unorganisierte französische Heer erlitt eine Niederlage nach der anderen, doch mit vereinten Kräften gelang es ihnen in der Schlacht um Valmy am 20. September 1792, den Preußischen Siegeszug zu beenden und die gegnerischen Truppen zum Rückzug zu bewegen.

 

 

Radikalisierung und Schreckensherrschaft der Jakobiner

 

Guillotine

Die erhoffte Verbesserung der Zustände nach der französischen  Revolution und des darauffolgenden Krieges trat nur teilweise ein. Die Arbeiter und das Kleinbürgertum, die sogenannten Sansculotten, drängten mit ihrem Hass auf die Reichen auf eine weitere Radikalisierung innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung, um endlich soziale Gerechtigkeit zu erfahren.

 

Diesen Unmut nutze die politische Strömung der Jakobiner, die, gestützt auf die Sansculotten, bald zu einer ernstzunehmenden Gruppierung in Frankreich aufstiegen.

 

Um sein eigenes Leben zu schützen, musste König Ludwig bald darauf aus seinen Gemächern fliehen, weil das radikale Kleinbürgertum den Palast erstürmte.  

 

Die erlassene Verfassung war ohne den König nicht mehr gültig, also löste sich auch die Nationalversammlung (französische Volksvertretung) auf.

 

Es herrschte Chaos auf den Straßen - Morde wurden gebilligt, Massenverhaftungen durchgeführt und die Feinde standen vor den Toren Paris’.

 

Um den übermächtigen Gegnern doch noch Parole bieten zu können, wurde die „allgemeine Wehrpflicht“ eingeführt, wonach jeder Mann zwischen 18 und 25 verpflichtet wurde, in den Krieg zu ziehen.    

 

Der König wurde 1792 offiziell abgesetzt und die Republik ausgerufen.

 

Ein Jahr darauf wurde der einstige Herrscher über das französische Königreich, Luis Capet  zum Tod durch die Guillotine verurteilt.

 

Mit der Hinrichtung Ludwig XVI als normalsterblichen Bürger gehörte der Absolutismus endgültig der Vergangenheit an.

 

 

Die Jakobiner waren am Höhepunkt ihrer Macht angelangt. Mit ihrem Anführer Robespierre führten sie Frankreich mit diktatorischen Mitteln, Paris wurde zum Mittelpunkt ihres Handelns. Aufstände in den Provinzen gegen die radikale Minderheit wurden auf brutalste Weise zurückgeschlagen.

 

Massenerschießungen und Massenertränkungen sind an der Tagesordnung, Gegner des Regimes werden in Schauprozessen zum Tode durch die Guillotine verurteilt.

 

Die Jakobiner ersticken so die Aufstände schon im Keim und entledigen sich unerwünschter Personen ohne jedem Problem.

 

Das Feindbild des Christentums fand ebenfalls ein jähes Ende: Man verbot die Religion - anstelle dieser sollte eine „Kultur der Vernunft“ treten – und gab den Tagen sowie Monaten andere Namen, um sich vollends vom Papst und der Kirche loszusagen.

 

Der machtgierige Robespierre lieferte sogar seine eigenen Leute dem Revolutionstribunal ans Messer, damit seine eigene Machtposition nicht in Gefahr geriet.

 

Doch die Schreckensherrschaft der Jakobiner endete unverhofft für den Anführer Robespierre. Einflussreiche Leute, die unter seiner Herrschaft litten, schlossen sich zusammen und ließen den Diktator verhaften. 

 

Im Juli 1794 wird er, wie die Opfer seiner Regentschaft, durch das Fallbeil geköpft.

 

Der Terror hatte ein Ende. Im Zeitraum zwischen September 1793 und Juli 1794 wurden in etwa 120.000 Menschen ermordet oder hingerichtet, 15.000 allein davon in Paris.

 

 

Der Aufstieg des Napoleon Bonaparte

 

Napoleon at Waterloo - by Howard David Johnson

Durch das Ende der Jakobinerherrschaft entstand Ende des 18. Jahrhunderts ein Machtvakuum in der politischen Ordnung Frankreichs. Monarchisten versuchten das erneute Chaos in der Bevölkerung auszunützen und zettelten einen Volksaufstand an, der jedoch vom jungen General Napoleon Bonaparte blutig niedergeschlagen wurde.

 

Das Großbürgertum, auch als Direktorium bekannt, konnte sich nun wieder an die Spitze des Staates setzen, die Vormachtstellung schien gesichert.

 

Die von Korruption gezeichnete Regierung des Großbürgertums endete schon 4 Jahre später, als Napoleon, der mit den Jahren durch seine militärischen Erfolge zum Volkshelden avanciert ist, jene Abgeordneten vertreibt und sich 1799 selbst die Krone aufsetzt.

 

Mit der Konsulatsverfassung sichert er seine Führungsposition ab und wird Erster Konsul (von dreien; bereits in Rom waren diese die höchsten Beamten des Reiches).

 

1804 krönt er sich selbst zum Kaiser der Franzosen und wird Alleinherrscher durch Gottes Gnaden, sein Siegeszug gegen Europa beginnt…

 

Sein Leben ist geprägt von Feldzügen um „Herr über ganz Europa“ zu werden und darüber hinaus. Der Siegeszug Napoleons und die Unterwerfung der anderen Staaten beginnt im Jahre 1800 und dauert bis 1814, das Zeitalter der „napoleonischen Kriege“. Er sieht sich Koalitionen von Preußen, Österreichern, Russen etc. gegenüber, doch der Feldherr und brillante Taktiker meistert fast alle dieser Hindernisse. Doch der alleinige Herrschaftsanspruch und Niederlagen gegen Ende der napoleonischen Kriege setzten ihm stark zu. Die verbündeten Gegner schafften es dank zahlenmäßiger Überlegenheit, den Franzosenkaiser immer weiter zurückzudrängen und schließlich nahmen sie auch Paris ein.

 

Napoleon Bonaparte wurde auf die kleine italienische Insel Elba verbannt.

 

Es gelang Napoleon allerdings 1815, von der Insel zu fliehen und erneut in Paris seinen Kaiseranspruch einzufordern, die Soldaten standen treu zu „ihrem“ Anführer.

 

„Die Herrschaft der 100 Tage“ war das letzte Aufbäumen Napoleons, bevor er im Juni 1815 endgültig in der Schlacht von Waterloo besiegt wurde.

 

Er wurde erneut verbannt, auf die Insel St. Helena, auf der auch sein restliches Leben fristete, bis er schließlich 1821 verstarb.

 

Raphael Stocker


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