Die römische Manipular-Phalanx

 

Die frühen Römer kämpften noch im Stil der Griechen, mit Spieß und Schild im Phalanx, doch schon bald machten sie sich daran, dieses erfolgreiche Konzept nicht nur zu kopieren, sondern auch zu verbessern. Im Gegensatz zu den Makedonen trieben sie die Phalanx nicht noch weiter ins Extrem, sondern entfernten sich eher von dem starren Gebilde. Dank der eisernen römischen Disziplin gelang es ihnen noch in den Samniterkriegen die Phalanx wesentlich zu verändern und bereits Hannibal in Form der Manipular-Phalanx entgegenzutreten.

 

Der wesentliche Entwicklungsschritt der Römer war, dass sie zwar noch in geschlossener Linie kämpften, aber diese im Anmarsch weitgehend aufsplitteten um die Formation flexibel zu halten.

 

 Aufbau

 

Die römische Manipular-Phalanx zu Beginn der Punischen Kriege (also in ihrer ausgereiften Form) sah wie folgt aus:

 

Vergleich - Griechische & Manipular PhalanxDie Hopliten waren nach Jahrgängen in drei Schichten geteilt; Die Hastaten, die Principes und die Triarier.

 

Die Hastaten waren die jüngsten Kämpfer und bildeten mit 1200 Mann die Front, ihnen folgten die erfahreneren Principes mit ebenfalls 1200, abgeschlossen wurde die Formation von den veteranen Triariern mit nur 600 Mann.

 

Die Besonderheit der römischen Formation bestand nun aber nicht in der Unterteilung nach Jahrgängen, sondern in der Zusammenfassung in Manipel. Je 120 Kämpfer bildeten ein Manipel, dieses war ein kleiner Kampfverband innerhalb der Phalanx. Jedes Manipel führte eine Feldzeichen mit sich, an dem sich die Soldaten orientieren konnten und von dessen Seite sie nicht weichen durften.

 

Zwischen den einzelnen Manipeln wurde ein Abstand gehalten, dieser machte den Anmarsch weit einfacher, kam es zu einer ungewollten Truppenballung beschränkte sich diese nur auf einen kleinen Teil der Phalanx und verlief sich nach einigen Manipeln (durch den gehaltenen Abstand) schnell. Wurde der Zwischenraum zu groß, rückte eine der hinteren Manipeln nach und schloss die Lücke. Kam es zum Nahkampf, schlossen sich die Freiräume beinahe von alleine und die geschlossene Formation konnte im Nahkampf ihre Wirkung entfalten.

 

Der Vorteil der Zwischenräume wirkte sich vor allem im Anmarsch aus, bei der griechischen Phalanx reichte ein kleines Hindernis um die ganze Linie in Unordnung zu bringen. Die römische Variante war somit um sehr vieles flexibler und weit weniger vom Gelände abhängig.

 

Die Römer hatten somit die "klassische" Phalanx sowohl der Breite als auch der Länge nach geteilt. 

 

 Änderung in der Bewaffnung

 

Die Römer änderten aber nicht nur die Form und Aufteilung, sondern auch die Bewaffnung der Truppen. Den griechischen Spieß verwendeten sie nur noch in Form des Pilum (Wurfspeer) und erwählten das Kurzschwert zu ihrer Hauptwaffe. Sie schwächten somit vor dem Ansturm den Feind durch Beschuss und zwangen ihn dann mit dem Schwert in die Knie. Nur die Triarier, die eher selten zum Waffengebrauch kamen, behielten den Speer in der Hand.

 

Der wahre Triumph der Römer über ihre ehemaligen Vorbilder zeigte sich in den Römisch-Makedonischen Kriegen bei der Schlacht von Pydna. Durch schwieriges Gelände gelangte die, noch nach traditioneller Weise kämpfende makedonische Phalanx in Unordnung. Die Römer wussten ihren Vorteil zu nutzen und brachen in die Phalanx ein, im direkten Nahkampf in der aufgebrochener Formation waren die Römer mit ihren Kurzschwertern den Makedonen weit überlegen. Es kam zu einer vernichtenden Niederlage und zahlreichen Verlusten auf Seite der Makedonen.

 

 Voraussetzungen

 

römisches Heer im punischen KriegDamit die Manipularphalanx aber erst entstehen konnte, war Disziplin nötig. Obwohl die römische Manipularphalanx nur aus einer kriegerischen Miliz bestand, gelang es ihr dennoch zu erreichen, was den Griechen und Makedonen verwehrt blieb.

 

Es gelang ihnen den jungen Kriegern in den ersten Manipeln ein Vertrauen einzuhauchen, die das geordnete halten des Abstandes möglich machte. Dieses Vertrauen darauf, dass die Principes-Manipel im richtigen Moment die Lücke schließen, war wesentlich für das Gelingen der Taktik.

 

Rückten die Principes zu früh in die Lücke ein, konnte ein Gedränge entstehen, zögerten sie allerdings zu lange, konnte der Feind in die Reihen einbrechen und verheerenden Schaden anrichten.

 

 Weitere Entwicklung

 

Dieses Vertrauen der Soldaten ineinander und in die Disziplin, die für das Erlangen des Vertrauens notwendig war, waren die wahre Kunst der römischen Taktik. Keinem Volk zuvor war es gelungen, einen derart komplexen Schlachtkörper zu bilden und in der Schlacht effektiv einzusetzen. Die Römer begingen allerdings nicht den Fehler, einmal Erlangtes einfach beizubehalten, sondern entwickelten, nachdem sie die Schwächen ihres Systems erkannten, es immer weiter.

 

Nach ihren Niederlagen gegen Hannibal verfeinerten sie ihre Taktik, mit der Treffenformation bezwangen sie letztendlich den verhassten Erzfeind. Dennoch trieben sie ihre Fähigkeit bis hin zur Perfektion. im Kohortensystem spiegelte sich schlussendlich die jahrhundertelange Kampferfahrung des römischen Volkes wider und errichtete einen taktischen Körper, der bis in die Neuzeit hinein unerreicht bleiben sollte.

 

 

1. Juni 2009


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