Die griechische Phalanx

 

Die Phalanx war eine der einfachsten und frühesten der taktischen Formationen. Sie war in gewisser Weise die natürliche Formation eines Bürgeraufgebotes und bestand aus dicht gedrängten Fußkämpfern. Bei einer größeren Anzahl an Kämpfern wurde die Phalanx entweder in die Tiefe erweitert, was der Phalanx Wucht gab, oder in die Länge, was eine Überflügelung des Feindes zur Folge hatte.

 

griechischer HoplitDie "klassische" Phalanx der Griechen bestand aus Hopliten. Hopliten waren schwer gepanzerte Fußkämpfer, die mit Speer und Schild bewaffnet waren. Die Hopliten wurden aus den Reihen der Bürger, die sich eine entsprechend teure Rüstung leisten konnten, rekrutiert. Somit war das Hoplitenheer ein klassisches Bürgeraufgebot.

 

Da nun das Heer selbst aus einem Bürgeraufgebot bestand, ergab sich die Phalanx beinahe von selbst. Denn ein Bürgeraufgebot erforderte eine tiefe Formation, da ein entsprechender moralischer Rückhalt von Nöten war. Die übliche Tiefe einer Phalanx betrug daher acht Mann aber auch Tiefen von bis zu 24 Mann waren keine Seltenheit.

 

Es versteht sich zwar von selbst, dass von diesen 24 Mann nur ein sehr kleiner Teil wirklich mit dem Feind in Kontakt gerät, dennoch kämpfte die tiefere die flachere Phalanx nieder. Der moralische Effekt, der tieferen Formation reichte somit aus, um den Feind zu "erdrücken", denn ein Soldat, der sich bewusst ist, im Vorteil zu sein und jederzeit Hilfe zu erhalten erbringt eine völlig andere Leistung als sein Gegner.

 

 Formation und Besonderheit

 

Bei der Aufstellung einer Phalanx stellte sich somit immer die Frage, Tiefe für Wucht oder Länge für Umfassung? War die Phalanx zu tief gestaffelt, wurde sie schnell von der längeren feindlichen Linie umfasst, in den Flanken angegriffen und geschlagen.

 

War hingegen die Formation zu flach, drohte sie bereits beim Anmarsch auseinanderzureisen oder vom Feind durchbrochen zu werden. 

Die richtige Balance zwischen Tiefe und Breite zu finden war somit die große Kunst der griechischen Feldherren.

 

Eine weitere Besonderheit der Phalanx bereitete antiken Taktikern Kopfzerbrechen. Wenn zwei gleichtiefe Phalanx-Formationen gegeneinander kämpften kam es sehr häufig dazu, dass beide Parteien an ihrem rechten Flügel siegten. Nicht selten kam es dann dazu, dass die beiden siegreichen Flügel erneut, mit verkehrter Front gegeneinander kämpften.


Dies mag auf den ersten Blick etwas seltsam erscheinen, doch wenn man sich die Bewaffnung der Hopliten vor Augen führt, erkennt man, wie es dazu kam.


Der Hoplit führte in der linken Hand einen großen Rundschild, in der rechten den Speer (siehe Abbildung). Somit empfand jeder Kämpfer seine rechte Seite als ungeschützt und versuchte sie durch das Schild seines Nebenmannes zu schützen. Jeder Kämpfer versuchte dadurch von rechts an dern Feind zu kommen. Diese beiden Faktoren sorgten dafür das sich die ganz Formation nach rechts zog, also jeder seinen Gegner rechts überflügelte. So kam es, dass zumeist der rechte Flügel siegte und die gesamte Phalanx begann sich gegen den Uhrzeigersinn zu drehen.
Die einzige Möglichkeit diesem Effekt entgegenzuwirken war die Flanken zu verstärken. Entweder verstärkte man die rechte Flanke, um den Feind noch schneller zu überwinden, oder an der Linken um den Feind aufzuhalten. So kam es, dass die Formation in der Mitte oft 8, an der Flanke 24 Mann, tief war.

 

 Stärken und Schwächen

 

Griechische Phalanx in der Schlacht von KunaxaDie Phalanx war auf dem antiken Schlachtfeld der unangefochtene Herrscher, obwohl Hilfstruppen wie Bogenschützen, Schleuderer, Peltasten oder Reiter ebenfalls an den Schlachten beteiligt waren, waren sie dennoch eher selten ausschlaggebend. Denn keine dieser Truppen konnte gegen den Ansturm einer Phalanx bestehen, leicht Bewaffnete wurden rasch von den besser gepanzerten Hopliten besiegt und Reiter konnten keinen Frontalangriff gegen die Phalanx wagen.

 

Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Phalanx nur von einer Phalanx besiegt werden kann, in gewisser Weise kann man sie mit den Rittern des Mittelalter vergleichen. Im Nahkampf und im Ansturm waren sie nahezu unbesiegbar, lies man es allerdings nicht zu einem Nahkampf kommen, waren sie wegen ihrer Langsamkeit verwundbar.

 

Einen weiteren Nachteil hatte die Phalanx noch, wenn sie in der Flanke angegriffen wurde (sei es von Reitern oder durch Überflügelung), war sie so gut wie verloren. Denn die Wucht der Phalanx entsteht aus dem Druck nach vorne, wurde sie nun in der Flanke gepackt ging der Druck verloren. Die Kämpfer an der Flanke müssen stehen bleiben, um sich zur Wehr zusetzten, die Übrigen drängen weiter nach vorne, entweder kommt der Ansturm zum Stillstand oder die Formation zerreißt. Hinzu kommt der moralische Effekt, bei einer Überflügelung entsteht schnell die Angst eingekreist zu werden, somit wäre der Fluchtweg abgeschnitten und das Schicksal besiegelt, unter solchen Bedingungen bricht die Moral schnell. So werden zum Beispiel die gesamten Perserkriege, allein von der Angst vor einem Flankenangriff durch persische Reiter bestimmt. Gelang es den Persern die Flanke anzugreifen, hatten die Griechen so gut wie verloren.

 

 

 Beispiele für den Einsatz

 

Als Beispiel für den erfolgreichen Einsatz der Phalanx kann man die Schlacht von Marathon betrachten. Den Griechen gelang es durch Ausnutzung des Geländes einem Flankenangriff vorzubeugen. Sie verstärkten im Kampf gegen die Perser ihre Flügel und nahmen dafür ein schwaches Zentrum in Kauf. Das Zentrum der Griechen wurde zwar weitgehend geschlagen, doch die Wucht der Flügel und eine damit verbundene Umfassung zwang die Perser in die Knie.

 

phantasievolle Phalanx - alte Zeichnung, Zuordnung nicht genau möglichNatürlich gibt es ebenso zahlreiche Bespiele für das Versagen der Phalanx. Als ideales Beispiel dient hierfür die Gefangennahme der spartanischen Hopliten auf der kleinen Insel Sphakteria. Auf dieser dicht bewachsenen Insel wurden rund 300 Spartiaten von den Athenern im Peloponnesischen Krieg gefangen genommen. Der Grund hierfür war, dass sie den Feind nicht fassen konnten. Die leicht bewaffneten Bogenschützen, Schleuderer und Peltasten setzten die Hopliten einem Kreuzfeuer aus, das sie schlussendlich zermürbte. Denn sobald die Spartaner einen Vorstoß machten, wichen die Athener zurück und vermieden jeden Nahkampf. Als die spartanische Phalanx keine Möglichkeit mehr sah sich zur Wehr zu setzten, ergaben sich die bis dahin als unbesiegbar geltenden Spartiaten.

 

 Weiterentwicklung

 

All dieser Nachteile zum Trotz blieben die Griechen und nach ihnen die Makedonen bei der Phalanx Formation. Die Makedonen trieben die Phalanx sogar noch weiter ins Extrem, sie verwendeten längere Speere, die sogenannten Sarissen, die fünf bis sieben Meter lang waren, um aus mehreren Reihen kämpfen zu können und wurden damit noch unbeweglicher. Es war aber sowohl den Griechen als auch den Makedonen gar nicht möglich ihre Kampfweise zu ändern, da die Zusammensetzung des Heeres (das Bürgeraufgebot) keine andere Formation möglich machte.

 

Erst die Römer begannen schrittweise, nach zahlreichen Rückschlägen, die Phalanx effektiv weiter zu entwickeln. Sie entfernten sich in ihrer militärischen Entwicklung immer weiter von den Griechen und schufen die Römische Manipular-Phalanx. Sie begannen das Bürgeraufgebot durch ein Heer aus Berufskriegern zu ersetzen und perfektionierten ihre Taktik letztlich mit Drill und Disziplin, und entwickelten das erfolgreiche Kohortensystem.

 

30. Mai 2009

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