Die makedonische Phalanx Histroy Blog - by Andreas Müller

Die Makedonische Phalanx

 

An der Griechischen Phalanx angelehnt entwickelten die Makedonen ihre eigene Schlachtformation. Trotz zahlreicher Makel und einer qualitativen Verschlechterung des Einzelkämpfers gelang es ihnen unter Alexander dem Großen mit dieser Schlachtformation und der Kombination anderer Heereselemente, große Teile, der damals bekanten Welt zu erobern. Die Stärke und gleichzeitig die Schwäche dieser Formation war die Zurückdrängung des selbstständigen Einzelkämpfers in eine starre, aber äußerst wirkungsvolle Phalanx

 

 Entwicklung 

 

Die Makedonen kannten ursprünglich keine Phalanx-Formation. Stattdessen bestanden die makedonischen Truppen anfänglich aus losen Kampfverbänden, die meist als Plänkler oder leichte Reiter fungierten.

 

Durch den zunehmenden Kontakt mit den Griechen bildete sich aber auch in Makedonien eine eigene, abgewandelte Form der griechischen Phalanx. Vor allem unter Philipp II. und seinem Sohn Alexander dem Großen änderte sich das makedonische Heerwesen völlig. Neben der Herausbildung einer Adelskavallerie (den Hetairen) und der Kombination verschiedener Heereselemente, ist ihnen unter anderem auch, die Anpassung der griechischen Phalanx auf makedonische Verhältnisse zu zuschreiben.

 

Makedonien war ein relativ dünnbesiedelter, von Bauern bewohnter Landstrich mit keiner allzu mächtigen (bürgerlichen) Kriegertradition. Dem entsprechend mussten die Feldherren ihre Heere an diese Voraussetzung anpassen. Ein Hoplit musste üblicherweise seine Rüstung selbst stellen und für diese war eine entsprechende finanzielle Aufwendung nötig. In Makedonien war dies schlichtweg nicht möglich und selbst der König war nicht in der Lage tausende Hopliten mit Rüstungen zu versorgen.

 

Da sich nun die Makedonen gegen die Griechen sowohl in der Ausrüstung als auch im Kampfgeist den Griechen unterlagen sahen, entwickelten sie eine neue Kampfform, die makedonische Phalanx.

 

 Formation und Bewaffnung

 

makedonische Phalanx - Parragon Verlag

Die makedonische Phalanx unterschied sich aus diesen Gründen in vielen Punkten deutlich von den Griechen:

 

Die Makedonen standen weit dichter gedrängt, auch war ihre Formation mit 16 Mann deutlich tiefer gestaffelt als die der Griechen. Um diese Tiefe auch nutzen zu können verlängerten sie die Speere deutlich, wie lange ist umstritten, doch sollen in den Diadochenkriegen Spitzenwerte von bis zu 7 Meter Länge erreicht worden sein. Auf Grund dieser Längensteigerung musste die sogenannte Sarisse mit zwei Händen geführt werden, um effektiv zu sein. Deshalb verkleinerten die Makedonen den Schild und schnallten ihn mit einem Lederriemen um die Schulter.

 

Da somit (je nach Länge der Sarissen) bis zu fünf Reihen zum Waffengebrauch gelangten, bildete die makedonische Phalanx, einen frontal kaum zu überwindenden Speerwall. Dieser Speerwall und die tiefe Formation gab den Truppen eine gewisse Sicherheit wodurch es möglich war die Panzerung der einzelnen Soldaten zu reduzieren.  Die ersten Reihen wiesen wahrscheinlich sehr wohl noch mehr oder weniger vollständige Hoplitenrüstungen auf, doch in den letzten Reihen war es möglich die „Sparschraube“ anzusetzen.

 

In einer derart dicht gedrängten Formation wurde natürlich die kriegerische Leistung des Einzelnen unbedeutend, denn die Gefahr für den Gegner bestand im Wesentlichen in Form des geschlossenen Speerwalls.

 

Dieser Speerwall hatte seine größte Schwachstelle natürlich, wie auch die Griechische Phalanx, in der Flanke. Wurde die Formation in der Flanke angegriffen oder überwand der Gegner z.B. durch eine Unordnung der Phalanx den Speerwall, waren die Soldaten so gut wie verloren.

 

Die Kämpfer waren zumeist nur auf den Einsatz der Sarisse gedrillt und hatten kaum Übung im Umgang mit den Handwaffen (Dolche und Schwerter). So zeigte sich zum Beispiel auch in der Schlacht von Pyra, gegen die Römische Manipularphalanx, wie gefährlich der Einbruch feindlicher Truppen in die Phalanx sein konnte.

 

Die makedonische Phalanx war somit in gewisser Weise eine ins Extrem getriebene griechische Phalanx. Die Vorteile wurden verstärkt (beinahe Unangreifbarkeit in der Front) doch ebenso die Nachteile (extreme Empfindlichkeit gegen Feindeinbruch). Hans Delbrück bezeichnet in seiner Geschichte der Kriegskunst die makedonische Phalanx sogar als eine „Reduktion der bisherigen Leistung der Infanterie“.

 

 Erfolge und Niedergang

 

Alexander der Große besiegt die ThrakerTrotz dieser „Reduktion“ der Leistung erwies sich das makedonische Konzept als sehr erfolgreich, immerhin brachten es die Makedonen nicht nur bis zur Hegemoniealherrschaft in Griechenland, sondern unter Alexander sogar zum Sieg über die Perser. Denn bei allem Qualitätsverlust lagen die Vorteile der Makedonen doch auf der Hand:

 

Durch die billigere Ausrüstung war es möglich mehr Soldaten aufzubieten, die längeren makedonischen Sarissen stellten ebenso einen erheblichen Vorteil da. Noch dazu reichte diese „mindere“ Qualität oft aus, da die makedonische Reiterei sich dafür umso mehr auszeichnete. Häufig hielt die Phalanx den Feind nur hin, bis die Reiterei an den Flügeln gesiegt hatte und der feindlichen Formation in die Flanke viel.

 

Man kann also sagen, dass die makedonische Phalanx vielleicht ein Rückschritt in der Leistung des Einzelnen darstellte, dafür aber als Verband sich umso effektiver bewies. Erst in den Römisch-Makedonischen Kriegen sollte sie letzten Endes mit der Römischen Manipularphalanx ihren Meister finden.

 

Grafik von Parragon Verlag
Hauptquelle: Geschichte der Kriegskunst - Hans Delbrück

 3. Juni 2009


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