In den letzten Tagen und Wochen haben mich, ausgelöst durch verschiedene Medienberichte, neue Kinofilme und eigene Erlebnisse, zum Nachdenken über das Thema „Mensch“ angespornt. Für solche und ähnliche Gedanken habe ich nun auch eine neue Kategorie „freie Gedanken“, die eher philosophische Artikel, aber selbstverständlich mit geschichtlichem Hintergrund, zum Thema haben sollen. Wie immer seid ihr natürlich selbstverständlich dazu eingeladen auch hierzu eure eigenen Gedanken zu äußern.



Mensch

 – die Geschichte eines drohenden Existenzverlustes



„Was ist der Mensch?“ eine schwierige philosophische Frage die sich der Mensch seit Anbeginn der Zeit stellt. War die Antwort früher noch einfach, „ein Sohn Gottes“ oder zumindest „ein beseelter Teil der Welt“, macht die moderne Wissenschaft die Sache eher schwieriger als einfacher:


Nach ihr ist der Mensch ein „biologischer Roboter“, ein Grundstock aus Genen, mit einem Überzug aus Gesellschaft und Umgebung und einer kleinen Prise "Zufall". „Alles hat eine Ursache“ wer würde das bestreiten? Also hat auch jeder Mensch und jede Handlung eines Menschen eine Ursache.


Soweit noch kein Problem solange die Handlung des Menschen im Bereich des „Normalen“ und „Erlaubten“ bleibt. Doch was ist bei Raub, Diebstahl, Mord, Vergewaltigung? Wer ist daran schuld? Meist gibt es einen Täter, doch was ist die Ursache seiner Tat? Not? Eine schlimme Kindheit? Misshandlung durch den Vater? Zurückweisung durch seine Umwelt? Ein falsch eingebautes Adenin-Nucleotid, das ihn genetisch dazu Zwang?

 

Ein Wissenschaftler als Richter


Fragt man an Stelle eines Richters einen Wissenschaftler, erhält man nur eine vage Antwort, denn es kann jeder und alles gewesen sein, nur nicht der Täter – denn er ist ja nur die Summe seiner genetischen, wie äußeren Einflüsse. Der Täter ist somit nicht mehr als ein „Topf“, der von zahlreichen verschiedenen Köchen gefüllt wurde und dessen Suppe jetzt nicht schmeckt – das „Ich“ des Täters existiert im Sinne der Wissenschaft nicht. Denn das, was Religionen und Kulturen in der Vergangenheit „Seele“ nannten, ist in der Wissenschaft nicht mehr als die Psyche, die ja nicht mehr als die Summe aus Veranlagung und Erlebnissen ist.


Wenn der Täter aber nur Opfer seiner Umwelt ist, trifft ihn keine Schuld - ein Wissenschaftler müsste ihn freisprechen. Denn es könnte ja die Traumatisierung durch den gewalttätigen Vater schuld an der psychischen Störung  sein. Doch auch das führt zu keinem Ergebnis, denn wodurch wurde der Vater zum Täter? Entweder durch Umwelt oder durch Veranlagung bzw. beides. Auch er wäre freizusprechen, man sieht schon es führt zu nichts.

Immer weiter kann man entlang einer Kette aus Opfern zurück blicken, bis man zu den biblischen Gestalten Adam und Eva gelangt. Gibt es die Erbsünde wirklich? War Eva verdorben und hat damit alle Nachkommen „traumatisiert“? Nein – denn wer ist für Evas Psyche verantwortlich? – Gott! – Denn er hat im Paradies sowohl die genetische Veranlagung bestimmt - immerhin hat er Adam und Eva geschaffen - als auch deren Umwelt (wer sonst hat das Paradies erschaffen?).

 

Gott, nach wie vor flüchtig?


Ist Gott also Schuld an der kranken Psyche unseres Verbrechers? Wohl kaum. Es gibt keinen nachgewiesenen Gott, also ist der wahre Täter nach wie vor flüchtig.
Doch wie soll nun der Urteilsspruch lauten? Unschuldig wegen Strafunmündigkeit? Generalfreispruch für alle vergangenen wie zukünftigen Taten der Menschheit?


Unmöglich! – Denn um Recht und Ordnung Willen, muss jeder für seine eigenen Taten einstehen. Misshandlung, Erkrankung und Veranlagung können nur ein Grund sein, keine Ausrede! Es mag tragisch sein, wenn ein Sexualstraftäter in seiner eigenen Kindheit misshandelt wurde, es ist vielleicht der Grund für sein Handeln, dennoch ist jeder immer noch selbst für seine Taten verantwortlich!

Bleibt nun dennoch die Frage offen, wo der Mensch geblieben ist. Irgendwie scheint es der Wissenschaft gelungen zu sein, zwischen Genen, Atomen und Quarks, den Mensch verloren zu haben. Bis diese Frage befriedigend beantwortet wird, werden Religion und Glaube immer noch ihren Platz in der Welt haben.


Mag jeder Wissenschaftler sagen was er will, „Meinen Gott könnt ihr haben, meine Seele kriegt ihr nie!“

 

23. Januar 2010


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