Französische Kavallerie kapert holländische Flotte?

 

Kavallerie im Angriff auf eine Flotte - ein wohl nicht ganz getreue DarstellungDerzeit lese ich das Buch "Napoleon der Große und seine Armee" aus der selben Serie wie "Friedrich der Große und seine Armee", dass mich ja sehr beeindruckt hat.

Leider scheint es bei seinem Nachfolger nicht so zu sein, gut, ich habe aus Zeitgründen noch nicht einmal 50 Seiten, doch auch das Inhaltsverzeichnis lässt nicht auf so viel hoffen (da mir auch scheinbar mein Lieblingsthema - die Versorgung - unterschlagen wird). Den Anfang macht das Buch mit einer Kurzfassung der kriegsgeschichtlichen Ereignisse vom Ende der Revolution bis zur Schlacht von Waterloo. Unter der Überschrift "Die Feldzüge von 1794-95" traf ich auf einen Satz der mich sofort stutzig machte:

 

"Dieser ungewöhnlich strenge Winter hatte aber auch noch eine merkwürdige Episode zu Folge: die französische Kavallerie konnte ohne große Schwierigkeiten über das zugefrorene Meer zu Insel Texel hinüberreiten und dort die holländische Flotte kapern.

 

"Was?" dachte ich mir, "Kavallerie kapert eine Flotte?", zwar hatte ich irgendetwas in diese Richtung schon einmal gehört, jedoch richtig glauben konnte ich es nicht. Denn selbst wenn die Schiffe eingeschlossen und für die Kavallerie erreichbar waren, darf man doch die Bewaffnung eines solchen Schiffes vergessen. Mit teilweise über 100 Kanonen entsprach schon ein einzelnes Schiff einem ganzen Artilleriezug, und Reiter im Angriff auf Artillerie gehört ja eher zu den schmerzhaften Episoden der Geschichte. Also habe ich mal darüber nach gegoogelt:

 

Nach einigen Fehlversuchen lieferte mir, wer sollte es anders sein, Wikipedia als erstes eine brauchbare Antwort:

 

Zwar trafen Schiffe und Kavallerie tatsächlich aufeinander, aber weit weniger dramatisch, als es sich die gerne überblühende Fantasie so vorstellen mag. Ein Teil der niederländischen Flotte wurde vom Eis eingeschlossen und alle Versuche sich frei zu sprengen schlugen fehl.  Eine Selbstversenkung wurde in Erwägung gezogen, jedoch verwarf man diese Idee wieder, da die Franzosen durch die geringe Wassertiefe die Geschütze leicht wieder hätten bergen können.

 

Wenig später erreichte die Flotte eine Nachricht der Regierung, jegliche Kampfhandlung gegen französische Verbände einzustellen. 

 

Was heute gerne als "Kapern durch Kavallerie" verklärt wird, war lediglich der verhandlungsführende General, der von einigen Husaren begleitet, zum Flaggschiff ritt um mit dem Admiral die Übergabe der Flotte zu besprechen. Das Ergebnis war wenig dramatisch; Die Flotte blieb unter niederländischer Flagge und wurde nicht entwaffnet. Sie verpflichtete sich dagegen keine Manöver ohne französische Anleitung durchzuführen und stand somit so gut wie unter französischem Kommando.

Soviel zum Thema "Kavallerie kapert Schiffe" wohl doch mehr Märchen, wenn auch mit wahrem Kern.

 

Links:

 

Der Artikel auf Wikipedia

Weitere Informationen (auf Englisch)

 

16. Dezember 2009


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