Die jüngste Schlacht der Geschichte

 

Im Gespräch mit Geschichts-Kritischen Menschen, die Sinn und Wahrheitsgehalt der Menschheitsgeschichte nur allzugerne anzweifeln, hört man oft den Vorwurf, dass Geschichte etwas Altes, Vergangenes sei, dass keinen Bezug zur Gegenwart hat.

Der gewiffte Historiker verweist gerne unter anderem darauf dass auch heute noch Geschichte geschrieben wird und diese auf keinem Fall zu Ende ist. Doch gibt es noch Kriege und Schlachten? Ok, Kriege ja, Afghanistan, Irak, Bürgerkriege... aber Schlachten?

 

Deshalb hab ich mich mal auf die Suche gemacht, was die letzte Schlacht der Geschichte war. Wobei der Begriff "letzte" wohl mit Vorsicht zu genießen ist, denn die letzte wird es leider wahrscheinlich nicht sein.

 

Ich wurde fündig, wie sollte es anders sein, auf Wikipedia. Mit der Vorliebe des Wissensmoguls für Listen und Artikel, kann ja leider kaum eine andere Seite im Web mithalten, so musste aus Ermangelung an Konkurenz wieder das Lexikon des Web 2.0 herhalten.

 

Doch was war jetzt die letzte Schlacht? Was kann man überhaupt als Schlacht werten? Wenn die Amerikaner im Handstreich den Irak erobern? Wenn israelische Panzer die Hisbolla-Milizen überrollen? Ich fand eine Schlacht, die diese Bezeichnung noch verdient hat, als Teil eines Krieges, an den ich im ersten Moment gar nicht gedacht hatte.

 

 

der Georgienkrieg

 

Der Krieg von dem ich spreche, ist der Georgienkrieg, auch Kaukasischer Fünftagekrieg oder Kaukasus-Konfilkt gennant. Man erinnert sich:

2008 - Georgien greift zur Rückgewinnung seiner Gebiete die (international nicht annerkannte) Republik Südosetien und Abachsien an. Der schon im Vorhinein brodelnde Konflikt zwischen der Armee Georgiens und den Südosetischen Milizverbänden eskalierte in der Nacht auf den 8. August, Georigen ging in die Offensive.

Nach anfänglichen Erfolgen der Georgier wandte sich das Kriegsglück mit dem Eingreifen der Russen schnell und schon am 15./16. August 2008 kam es zum Friedensschluss. Zu einer erwähnenswerten Schlacht war es dennoch gekommen:

 

Die "Schlacht um Zchinwali" ist somit die jüngste Schlacht der Geschichte. Mit rund 25.000 Beteiligten - 10-11.000 Georgier, 11.000 Russen und 3.500 Südosetiern - hat sie diese Bezeichnung durchaus verdient.

 

 

die Schlacht um Zchinwali

 

zerstörter georigscher Panzer - Yana AmelinaMit dem Beschuss der Stadt durch Georigsche Artillerie am 7. August um 23:35 Uhr, begann die Bodenoffensive der Georgier (Operation Clear Field). Mit Kampf- und Transportpanzern drang die georgische Armee in Form eines umgekehrten Dreiecks - 3. und 4. Brigade an den beiden vorderen Enden, Artillerie im Hintergrund - auf die Stadt vor. Im Zuge des Kampfes um die Stadt kam es auch zu einem Aufeinandertreffen der dort stationierten russischen Friedenstruppen und georgischer Verbände. Es gelang den Georgiern schließlich, die Stadt unter Einsatz von Artillerie, Infanterie, Panzern und Flugzeugen unter ihre Kontrolle zu bringen.

 

Doch das Glück war nicht von langer Dauer, denn als die Russen mit einer schlagkräftigen Gegenoffensive eingriffen, waren die georgischen Truppen rasch zu einem Rückzug gezwungen. Am Südrand der Stadt sollen rund 12 georgische Panzer zerstört worden sein und die Folgen der Niederlage kostete dieselben die gesamte Marine - acht Kriegsschiffe -, neun Jagdbomber die am Boden zerstört wurden, sowie die gesamte Artillerie, das Panzerbatallion und die 1. und 2. georgische Infanteriebrigade die nicht mehr länger einsatzbereit waren.

 

 

Folgen

 

zerstörte georgische Militärbasis - Nino OzbetelashviliDie Verluste der Schlacht und des Krieges allgemein, hielten sich zum Glück auf beiden Seiten in Grenzen: Rund 161 georgische, 64 russische und 150 Südosetische Soldaten sollen getötet worden sein.

Wirtschaftlich wie militärisch blieb der Krieg für alle beteiligten nicht ohne Folgen:

Militärisch wurde Georigen stark geschwächt, Flüchtlingsströme verließen während dem Konflinkt Südosetien und der russische Rubbel verlor an Wert, da Investoren das Vertrauen in Russland verloren und daher Kapital abzogen.

 

Im Vergleich mit anderen Schlachten erscheint die Schlacht um Zchinwali geradezu "niedlich", trotz einer stattlichen Anzahl von 25.000 Beteiligten blieben die Verluste mit rund 1% sehr gering, mit den zahlreichen Opfern aus der Neuzeit, den napoleonischen Kriegen, dem amerikanischen Bürgerkrieg und den beiden Weltkriegen sind sie natürlich nicht zuvergleichen, dennoch gab es in der Geschichte auch Perioden, in denen Schlachten häufig "glimpflich" ausgingen.

 

Gerade bei den Bürgerkriegen der Griechen und auch den Perserkriegen waren die Verluste manchmal ähnlich gering, so sollen die Griechen unter Miltiades bei Marathon - laut Plutrach - nur 192 ihrer rund 5.000 bis 8.000 Kämpfer verloren haben.

 

 

Die jüngste Schlacht der Geschichte also, ein großes Kräfteringen mit glücklicherweise wenigen Verlusten, wird vermutlich in einigen Jahren in den Geschichsbüchern stehen, man kann nur hoffen, dass es die Letzte bleiben wird oder anders gesagt "Die glücklichsten Zeiten der Menschheit, sind die leeren Seiten im Geschichtsbuch."

 

 

Links

 

 

Battle of Tskhinvali (Schlacht um Zchinwali) - auf Wikipedia, leider nur in Englisch

 

27. Januar 2009


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