Söldner - Bezahlte Räuber oder professionelle Berufskrieger?

 

Heute hat mich eine Partnerseite (und der zugehöriger Blog) auf die Idee für einen neuen Artikel gebracht. Auf dem Blog von Kriegsreisende.de habe ich von einem Artikel gelesen, der die besondere Zuverlässigkeit der normannischen Söldner in England, zur Zeit Wilhelm des Eroberers darstellt.

 

In diesem Artikel werden die Söldner sehr positiv dargestellt, als professionelle und ehrenhafte Berufskrieger gegenüber dem zänkerischen und unzuverlässigem Adel.

Grundsätzlich stimme ich dem Autor des Artikels zu, denn bezahlte Söldnerheere stellten im Kampf gegen den oft machthungrigen englischen Adel zweifelsohne eine wirksame Waffe da, allerdings kann der Einsatz von Söldnern auch ein sprichwörtlicher "Schuss in den Ofen" werden.

 

Mir fallt da zum Beispiel der Söldnerkrieg zwischen Karthago und seinen marodierenden Truppen ein:

 

 

 Der Söldnerkrieg

 

Nach dem Ende des ersten punischen Krieges sahen sich die Karthager gezwungen einen schwierigen Frieden mit den Römern zu schließen. Dabei verloren sie bedeutende Gebiete auf Sizilien, große Teile ihrer Flotte und gewaltige Geldmittel die es an Rom zu zahlen galt. Allerdings gab es eine weitere "Klausel" im Vertrag die es in sich hatte. Denn Rom zwang Karthago seine Söldner (Iberer, Gallier, Ligurier, Balearer und sogenannte "Halbgriechen") auf karthagischen Boden aufzulösen.

 

Somit mussten die Truppen von Sizilien auf das afrikanische Festland verschifft werden, um dort ihren ausstehenden Lohn zu erhalten. Die Kassen Karthagos waren allerdings erschöpft durch den Kräfte zehrenden Krieg und den teuren Frieden. Alle Verhandlungen scheiterten, die karthagischen Führer vermochten nicht ihre Söldner zu einem geringeren Sold zu überreden, und als sich die ehemaligen Truppen Hamilkars (dem Vater Hannibals) versammelten, um ein letztes mal zu verhandeln, wurden sie sich ihrer Macht bewusst und erpressten Karthago.

 

In einem schweren Krieg gegen die Söldnerbanden und ihre Anführer gelang es Hamilkar schließlich die marodierenden Truppen zu schlagen, doch der Schaden für Karthago war enorm.

 

 

Die gesamten römisch-karthagischen Konflikte stellen in meinen Augen ein Kräftemessen zwischen Söldner- und Volksaufgebot da. Wie die Geschichte ausging ist bekannt, Karthago wurde geplündert, Rom gewann alle drei Kriege. Denn so mächtig und "praktisch" ein Söldnerheer auch war, blieben die Zahlungen aus, war es mit der Kampfmoral vorbei.

 

Rom wurde gerade von Hannibal einige Male schwer bedrängt, doch durch den "Starrsinn" der Römer und dem Kampfgeist des römischen Volkes, gelang ihnen immer wieder der Aufschwung aus jeder noch so schweren Lage. Karthago hingegen, das nur auf Händler, Geld und Söldner bauen konnte ging unter.

 

 

Um noch einmal Vor- und Nachteile der Söldner zusammen zu fassen:

 

+  erfahrene Krieger

+  schnelle Aufstellung und Abrüstung

+  durchgehender Kriegsdienst möglich

+ kaum bis gar keinen Herrschaftsanspruch (im Gegensatz zum Adel)

 

-  schneller Zusammenbruch bei schlechter Versorgung (mit Geld oder Gütern)

-  wenig persönliche Bindung an Freund und Feind

-  ungewisse Folgen nach Ende des Dienstverhältnisses

 

 

Söldner stellten also eine gute Alternative da, wenn es galt schnell Truppen aufzustellen und sich gegen den unzuverlässigen Adel abzusichern. Ein Söldnerheer war aber dennoch eher eine Übergangslösung, als ein bestehendes funktionierendes Heer.

 

Denn für langwierige und finanziell aufwendige Kriege eigneten sich ein bürgerliches Berufsheer oder ein von Natur aus kriegerisches Volk besser. So wurden auch die meisten Großreiche auf der Basis der Bürger errichtet, wie das Persische Reich, Rom oder, das Reich der Mongolen unter Dschingis Kahn.

 

Söldner hingegen spielten meist in Bürgerkriegen eine bedeutendere Rolle, so wie in den Kämpfen der italienischen Stadtstaaten oder diversen Thronstreitigkeiten, wenn man sich nicht an den eigenen Landsleuten "die Hände schmutzig machen wollte".

 

 

Quelle (Söldnerkriege):

 

Hannibal - die Biografie von Sege Lancel

 

4. Oktober 2009


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