Faszination Krise

- Von der Bewältigung zur Überwältigung und wieder zurück


„Die Krise ist der erste Schritt zur Bewältigung.“, ein schönes Zitat, das in heutiger Zeit seine Bedeutung zu verlieren droht.

Gegenwärtig wird die Welt von Krisen aller Art erschüttert, humanitäre Krise, Politkrise und Finanzkrise sind nur wenige der zahlreichen Geiseln unserer Zeit. Doch Gott sei Dank gibt es Politiker, die sich der Sorgen der Bürger annehmen und gekonnt als Katastrophenmanager einschreiten.


Als erste Reaktion wird die moderne Priesterkaste der Gegenwart, unsere hochgeschätzten Volksvertreter und Volksvertreterinnen, mit einer netten Gehaltserhöhung gestärkt. Denn in der Not brauchen die Menschen vor allem eines: Vielversprechende- aber wenig haltende – Scharlatane, die mit Gaukelei und Zauberei – „bin weg, bin wieder da“ und „volle Kasse, leere Kasse“ – das Volk von seinen alltäglichen Sorgen ablenkt. War es früher die Aufgabe der Priester, mit leeren Versprechen auf eine heile Scheinwelt zu verweisen und mit monumentalen Sakralbauten den Menschen ein unsicheren Hafen zu bieten, so übernimmt dies heute gerne die politische Obstschale aus Orangen, roten, grünen, und blauen Früchtchen. Doch bedienen sich diese an historischen Vorbildern:


So manches politische Fossil erinnert sich nur zu gut an das Alte Testament und fügt mit dem „Turmbau zu Keutschach“ der Erfolgsgeschichte Kärntens, neue Kapitel hinzu.


Die Priester des „Rechten Wegs“ haben bereits die Schuldigen ausgemacht: Fremde Wesen, die sich fremdartig gebärden und mit gar zu fremden Zungen sprehcen – den Hexen und Dämonen gleich – sind vom rechten Weg abgekommen und haben den gerechten Zorn ihrer Mitmenschen auf sich gezogen.


Der Sohn des nicht ganz unsterblichen Sonnengottes, der mit seinem Wagen in den Himmel fuhr, versteht es gekonnt als Pharao der bunt-gemischten Priesterkaste die Situation in das rechte Licht zu rücke:

Mit einer Neuverschuldung von einer Million Euro pro Tag, braucht das Land nur zwei Wochen zu sparen um den zehn Millionen Euro teuren, zu Ehren des Sonnengottes himmelwärts räkelnden, Sakralbau am Pyramidenkogel zu finanzieren.

Doch die Priesterkaste in den heimischen Gefilden ist gespalten und übertrifft sich selbst an spitzfindigen Bemerkungen:


So stellte kürzlich der selbsternannte Einbürgerungsbeauftragte Uwe Scheuch, der bereits sein drittes ewiges Bündnis für die Zukunft Österreichs einging, über die Anhänger der „roten Grinsekatze“ fest: „Die sind sich irgendwie uneinig!“.


Doch genug von der Vergangenheit, denn dem spitzfindigen Leser ist mit Sicherheit schon der Kern des Problems bewusst geworden: Die , durch die Finanzkrise mit nahezu absolutistischen Vollmachten ausgestatteten, Volkshochwürden führen uns, im Vollbesitz ihrer geistigen Umnachtung von einer Krise in die nächste. So helfen sie, um einer Geldmittelknappheit jenseits des großen Teiches vorzubeugen, dieser mit maßlosen Ausgaben erstrecht zum Sprung in das kleine Österreich, das diese beinahe übersehen hätte. Um die Helfer der großen Geldmotte zu enttarnen üben sich die Anhänger verschiedener Subventionen in gekonnter Selbstzerfleischung.

So helfen die Maulwürfe der Volksbeglückung, in vollem Bewusstsein ihrer politischen Kurzsichtigkeit, der Mutter aller Krisen ihren Sohn, der sich „Politkrise“ nennt, zu gebären.


Doch wohin soll das führen? Auf die Krise folgt die Bewältigung, auf die Bewältigung die Krise, die Ursache folgt der Wirkung, der Arzt dem toten Patienten. Der Wirtschaftsexperte weiß: Auf die Rezession folgt die Depression, wirtschaftlich wie politisch. Auf die Bewältigung folgt die Krise, doch die Geschichte weiß Rat:


„Die Anderen mögen Krisen bewältigen, du liebes Österreich bete!“


2. März 2010


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