"Yes" or "No"? - Ewig zankt Europa?



Irland - EUNun im zweiten Anlauf soll es gelingen, nachdem die Iren den Vertrag von Lissabon beim ersten Versuch mit einem kalten "No" abgeschmettert haben,  soll endlich die Reform gelingen. Ein kleines Land entscheidet somit über die Geschichte Europas und könnte die EU in eine erneute Krise stürzen.


Über Jahrhunderte hinweg war Europa ein "Zankapfel" der Welt, auf kaum einen anderen Erdteil achteten die Nachbarn stets so mit Argusaugen, dass es wohl keinem zu gut geht. Wann immer eine zentrale Macht aufkam die eine Einigung Europas bewältigen hätte können, wurde sie von einer "Koalition der Schwachen" geschlagen. So erging es den Römern, den Habsburgern, Napoleon und (Gott sei dank) auch Hitler.
Kulturelle Differenzen und religiöse Unterschiede und eine besondere Mischung aus Neid und Machtstreben verhinderte stets einen einheitlich europäischen Kurs.



In Asiens kam es unter Dschingis Kahn zu einem riesigen Reich, das moderne China dominiert immer noch den fernen Osten und Amerika war, sowol zur Zeit der Inka und Azteken als auch heute, stets weniger zerüttet als Europa.

Jeder Staat und jedes Volk war darauf bedacht den Nachbarn im Schach zu halten, somit kam es zwar zu keinem einheitlichen Kurs, aber durch die ständigen Konflikte zu einem technologischen Sprung, bei dem jeder eigentlich nur darauf bedacht war, den Nachbarn zu übertreffen.



Seinen kriegerischen Charakter hat Europa auch heute, in einer Zeit des Friedens, nicht verloren, Konflikte stehen an der Tagesordnung, wenn auch im Parlament und nicht auf dem Schlachtfeld.

Jeder denkt an sich, Österreich wehrt sich gegen Transit, Genmais und Atomkraft und jeder Staat fürchtet seinen Machtverlust. Keiner möchte diktiert werden, aber jeder diktieren. So fürchtet jeder einen Machtverlust der eigenen Nation durch den neuen Vertrag.

Darin unterscheiden sich die Iren nur von vielen anderen darin, dass sie befragt wurden. Auch in Österreich wäre der Vertrag vermutlich abgeblitzt und wenn es überall eine Volksabstimmung gegeben hätte, wäre die "Reform" zu einer dünnen Brühe verkommen, die keinen verärgert, keinen beschränkt und keinem hilft.


Die Befürchtung ist natürlich gerechtfertigt, eine Stärkung der EU muss eine geringere Mitsprache der einzelnen Staaten zur Folge haben. Denn nach dem Motto "zu viele Köche verderben den Brei" kann die EU nicht handeln, wenn sie jedem Land dafür den Bauch kraulen muss.

Derzeit ist die EU träge, schnelle Reaktionen sind meist nicht ihre Stärke, denn bis jedes Mitglied zufrieden gestellt ist, ist es zu spät.

Das irisches "Yes" oder "No" entscheidet also, ob Europa sich auf Dauer auf der Weltbühne behaupten kann, oder in seiner inneren Zerrissenheit erstarrt und damit "Provinz-Politik" betreibt.


 2. Oktober 2009


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