Napoleon und seine Armee - Epochen der Weltgeschichte

 

Nachdem ich nun dieses Buch, das aus derselben Serie wie "Friedrich der Große und seine Armee" stammt gelesen habe, kann ich nun endlich ein Urteil darüber fällen. Bis zuletzt habe ich mich damit zurück gehalten, da dieses Buch aus der Reihe "Epochen der Weltgeschichte" nicht so einfach zu beurteilen ist, wie sein Vorgänger.

Anfangs war ich keineswegs davon begeistert, schon das Inhaltsverzeichnis lies nichts besonderes erwarten:

 

 Einleitung
7
 Von Valmy nach Waterloo
 9
 Kavallerie 46
 Infanterie 89
 Artillerie 132
 Pioniere und Nachrichtentruppen
 146
 Verwaltung 155
 Sanitätsdienst 174
 Das Kaiserliche Hauptquartier
 200
 Das Dritte Korps - Auerstedt
 218
 Das Dritte Korps - Polen 245
 Nachwort 281

 

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Was hat man sich unter "Von Valmy nach Waterloo" vorzustellen - das ja immerhin 37 Seiten umfasst - was fällt unter "Verwaltung", und wird die Versorgung nicht behandelt?

 

Das Buch legte dann auch gleich prompt einen Fehlstart hin, "Von Valmy nach Waterloo" umfasste eine Darstellung aller Feldzüge Napoleons, von Italien, Ägypten bis zur Machtübernahme über das Scheitern in Russland und die letzte Schlacht bei Waterloo. Wenn man bedenkt, dass solch ein umfangreicher Stoff allein schon ein ganzes Buch füllen kann, weis man schon fast, was einen in diesen 37 Seiten erwartet.

 

Bloße Fakten, lieblos geschilderte Ketten von Ereignissen, ein derart grober Überblick das alle Details verschwinden und man sich nur noch fragt "Wie lange noch?". Doch hofft man im nächsten Kapitel auf Erlösung, wird es nicht wirklich viel besser. Stupide Aufzählungen folgen, deren Sinn man nicht erkennt, Bilder sind wahllos in jedem Kapitel zusammenhangslos aneinander gereiht, so wird zum Beispiel ein Kapitel (Sanitätsdienst) von einer Serie die 15 Bilder umfasst und in keinerlei Bezug zu dem Kapitel steht, zerrissen.

 

Bei Stellen wie der folgenden fragt man sich "Muss ich mir das antun?":

 

Die von sieben französischen Lanzenreiter-Regimentern getragenen Uniformen bestanden aus grüner Jacke und Hose, bei denen sich die Quasten der Epauletten und die Bordüren in ihren Farben regimentsweise unterschieden. Diese Farben waren: 1. Lanzenreiter scharlachrot, 2. goldgelb, 3. rosenrot, 4. karmesinrot, 5. himmelblau, 6. krapprot und 9. lederfarben[...]

 

Für mich persönlich ist es auf jeden Fall nicht relevant ob die "Quasten der Epauletten" des 4. Lanzenreiter-Regiments unter Napoleon, krapprot, scharlachrot oder karmesinrot waren.

 

Doch wenn man erst einmal diesen zähen leidvollen Teil überwunden hat, scheint plötzlich ein ganz anderer Autor die folgenden Kapitel zu übernehmen. Nach ungefähr hundert Seiten setzen die ersten Anekdoten ein, das Buch wird lebendiger und die sinnlosen Aufzählungen ebben langsam ab. Selbst die für mich sehr interessante Logistik kommt im Kapitel "Verwaltung" zum Vorschein und die Ausflüge in den Sanitätsdienst sind - vor allem verglichen mit dem System Friedrich des Großen - hoch interessant.

 

Wenn man schließlich das Kapitel "Das Dritte Korps - Auerstedt" erreicht, hat man das Beste vor sich. In den folgenden beiden Kapiteln werden die Feldzüge Napoleons aus der Sicht des dritten Korps geschildert, was öde klingt, ist hoch interessant.

 

Man erhält ganz natürlich einen Einblick in die Befehlskette, über den Informationsfluss zwischen Napoleon und seinen Generälen, dem Vorgehen der verschiedenen Bataillone, Regimenter und Divisionen. Verschiedene Schlachten werden anschaulich geschildert, taktische Manöver beschrieben und dennoch bleibt alles aus der Sicht eines einzelnen Korps. Alle Aktionen, die für den Befehlshaber des dritten Korps- Marschall Devout - unbedeutend waren, oder von denen er keine Kenntnis hatte wurden beiseite gelassen.

 

Dabei wird sehr schön deutlich wie sich aus den Anfangs klaren Befehlen Napoleons, eine Schlachtendynamik entwickelt, die auf der Leistung, dem Urteilsvermögen und der Eigeninitiative der verschiedenen Befehlshaber beruhen.

 

 

Ein Fazit für dieses Buch ist also nur schwer zu ziehen. Einerseits ist es langweilig, monoton, mit endlosen Aufzählungen und lieblos hineingestreuten Bildern, auf der anderen Seite entwickelt es in der zweiten Hälfte eine spannende Dynamik, die tiefe Einblicke in das Heerwesen dieser Zeit zulässt. 

 

29. Dezember 2009


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